Man selbst sein

Jeder hat Verantwortung für sein eigenes Leben. Und das ist zugleich die schlimmste und die schönste Nachricht überhaupt. Denn das bedeutet, dass – ganz egal, was andere tun, meinen, sagen, wollen oder nicht – man letztendlich entscheiden kann, was man will.

Es ist das tiefe Bewusstsein, dass man die absolute, volle und uneingeschränkte Verantwortung für sein Leben hat, einen sehr glücklich macht. Denn das heißt, dass man tut, was für einen Selbst wichtig und notwendig ist. Man hat die Möglichkeit, dieses Leben, welches einem geschenkt wurde, so erfüllt, glücklich, stark und großzügig zu leben, wie es in der eigenen Macht steht. Kein anderer kann es für einen tun – und keiner kann es verhindern. Man kann also nicht andere Menschen verantwortlich machen, und sich beschweren, oder Schuld auf unglückliche Umstände schieben – denn letzten Endes entscheidet man Selbst.

Mag einem Ungerechtes zugestoßen sein, mag alles noch so düster, anstrengend, verwirrend, hoffnungslos oder schrecklich aussehen, das ist manchmal so. Aber man kann immer noch innerlich aufstehen, und für sich beschließen, dass man sich weigert, verzweifelt zu sein. Man kannt festlegen, dass dieses Problem einen nicht fertig machen wird. Man kann entscheiden, dass jede Herausforderung einen nur stärker macht, und man hinterher freier, glücklicher und gelöster ist. Am Ende ist man der Chef im Ring. Man ist der König in seinem Leben – und man kannt dieses Königreich so schön, liebevoll, großartig und großzügig regieren, wie man es will. Man ist dann in der Lage, die Entscheidungen zu treffen, die dafür nötig sind, damit es dauerhaft so bleibt. Man währt Angriffe von außen ab, verbannt Personen, die einen zerstören wollen, und bringt alles in schönste Ordnung.

Man vertraut darauf, dass sich alles ordnet, ganz liebevoll, geduldig, im perfekten Schritt-für-Schritt-Tempo, ganz ohne Zwang, äußeren Druck oder irgendwelche Ängste. Dass man es dann meistens durch einen selbst macht, ist gleichzeitig überraschend und schön. Liebevoll heißt übrigens konsequent, entschieden, klar und eindeutig – so ist das Leben.

Was für einen Selbst gilt, gilt auch für andere. Diese Verantwortung, diese Freiheit, diese Zuständigkeit für das eigene Leben ist das allergrößte Geschenk. Sie kann durch nichts ersetzt werden und gilt ausnahmslos für jeden. Nimmt man jemandem also nur einen Teil dieser Verantwortung ab, dann mischst man sich in Dinge ein, die einen nichts angehen. Man untergräbt seine Autorität, man übernimmt die Führung in einem Bereich, der einem nicht gehört, stellt die Person in Frage, und macht sie minderwertig.

Oft tut man das mehrmals täglich – ganz ohne Absicht und mit besten Intentionen. Das ist sehr, sehr fein, läuft in den meisten Fällen unterschwellig ab, und klingt so normal und harmlos, dass es keinem auffallen würde. Jedes Mal, wenn man versucht, die Laune vom jemanden auszugleichen. Jedes Mal, wenn man bestimmte Dinge sagt oder nicht sagt, damit es der Person besser geht. Jedes Mal, wenn man sich schlecht oder verantwortlich oder schuldig wegen der Gemütsverfassung eines anderen fühlt – obwohl man nichts dafür kann. Jedes Mal, wenn man nicht mehr man selbst ist, und mehr auf die Bedürfnisse des anderen achtet, als auf die eigenen, selbst, wenn diese einen stark einschränken – dann vermischen sich die Verantwortungsbereiche, und keiner wird damit wirklich glücklich sein. Am Ende läuft es aber immer auf Dasselbe hinaus, man will alles tun, damit der andere glücklich ist. Ist derjenige offensichtlich nicht glücklich, dann fühlt man sich verantwortlich, und tut alles, was einem zur Verfügung steht, um das zu ändern.

Das Resultat sind ständige Grenzüberschreitungen der jeweiligen Persönlichkeiten. Es ist mal mehr, mal weniger offensichtlich, aber immer die gleiche Soße aus Manipulation, unterschwelligen Erwartungen, emotionalen Spielchen und so weiter. Obwohl es doch so lieb gemeint ist – in Wahrheit ist es jedoch eine Missachtung und Entwürdigung der anderen Person.

Jeder Versuch, sich für die Laune eines anderen verantwortlich zu machen, ist eine Grenzüberschreitung – und der allerbequemste und gleichzeitig effektivste Weg, um Beide unfrei zu machen. Selbst, wenn es zunächst verständlich klingt, und ganz fein oder unterschwellig geschieht – fühlt man sich auch nur das kleinste bisschen schuldig, will es der Person recht machen, oder einfach nur, dass sie glücklich und zufrieden ist, hat man bereits die Grenze überschritten. Das kann ein Seufzer sein oder ein Blick oder eine direkte Schuldzuweisung. Die Spielarten sind unendlich vielfältig, aber das Endergebnis immer dasselbe, denn man du fühlt sich verantwortlich, reagiert darauf, und es findet ein Übergriff statt. Mit jedem Übergriff verliert man ein Stück deiner Einzigartigkeit und Persönlichkeit – immer nur in kleinen Schritten, damit man es auch zulässt und es nicht zu auffällig wird. Indem man eine Entscheidung trifft.

Man ist gar nicht für ein glückliches Zuhause verantwortlich – man ist nur dafür verantwortlich, dass man Selbst glücklich ist. Man muss nicht seinen Partner glücklich machen – er selbst ist dafür verantwortlich, glücklich zu sein. Man muss nicht seine Kinder glücklich machen – man leitet seine Kinder dazu an, glückliche Menschen zu werden. Das ist in keinster Weise egoistisch oder egozentrisch gemeint – denn es bedeutet weder Vernachlässigung seiner praktischen Aufgaben im Allgemeinen, noch eine emotionale Kälte. Man ist nicht dafür verantwortlich, den Stimmungspegel oben zu halten. Und wenn Teenager mies drauf sein wollen und der Mann gestresst –  ihre Entscheidung.

Doch davon lässt man sich nicht beeinflussen. Zum ersten Mal weigert man sich, sich in Dinge zu involvieren, die nicht die eigene Aufgabe sind. Zum ersten Mal überschreitet man keine Grenze, und erlaubt jedem sein Leben so gestalten, wie er es möchte. Zum ersten Mal traut man der anderen Person zu, dass sie in der Lage ist, ihren Gemütszustand in den Griff zu kriegen und Entscheidungen für sich treffen. Das gibt zunächst Stress, denn diejenigen, die alles auf andere Schultern abgeschoben haben, mögen ihre Passivität und Lethargie gar nicht aufgeben. Es war doch so bequem und man hat es sich heimelig gemacht, musste nichts ändern, und stellte stattdessen Forderungen, und sei es durch einen beiläufigen Satz, oder gezielt platziertes Seufzen.

Und wenn einen etwas oder jemand permanent unglücklich macht, dann trifft man Entscheidungen und geht Schritte – aber gibt keinem die Schuld dafür. Und lieben kann man am allerallerbesten, wenn man so frei, so ungezwungen, so spontan, so glücklich, so erfüllt, so vergnügt sein und so man selbst sein kann, wie es nur geht, denn sonst heißt es nicht lieben, sondern manipulieren. Also etwas zu tun, um etwas damit zu erreichen.

Liebe will aber überhaupt nichts erreichen. Liebe will gar nichts von dir. Sie liebt einen einfach so, ohne Hintergedanken, Absichten oder ein bestimmtes Ziel – Liebe kann nur lieben.

Das bedeutet ganz konkret, dass du die größte Power, die heftigste Durchschlagskraft, und die höchste Wirksamkeit hast, wenn du genau so bist, frei, ungezwungen, spontan, glücklich, erfüllt, vergnügt – so sehr man selbst, wie es nur geht. Diese Liebe hat eine Leichtigkeit und eine Power. Sie ist sanft und stark zugleich. Sie sieht harmlos aus und ist das absolute Gegenteil davon, weil sie alles Negative einfach auslöscht. Darin strahlt man so stark, dass es sich automatisch auf andere überträgt – und zwar auf alle, die genau das wollen.

Man begegnet jedem in der festen Überzeugung, dass man das Beste ist, was ihm je passiert ist   – und freut sich, dass er die Möglichkeit hat, in der Nähe zu sein. Ganz frei von Arroganz oder Selbstüberschätzung weiß man einfach, wie kostbar man ist, und wie kostbar das ist, was von einem ausgeht. Man macht einfach glücklich, weil es einen gibt!

Somit macht man jedem ein Angebot – ob er es annimmt oder nicht, ist seine Entscheidung. Nur seine Entscheidung, man ist nicht verantwortlich. Und sich in seine Entscheidung nicht einzumischen ist die größte Wertschätzung und Liebe, die man ihm entgegenbringen kann. Wenn man jemanden liebt, lässt man ihn frei.

Egal, wo man sich gerade befindet – checke mal nur heute und morgen nicht ständig den Stimmungspegel der anderen, sondern beschließe, dass man selbst gut drauf bleibt. Heute und morgen ist man mal nur für sich verantwortlich. Was andere denken, fühlen, und tun, beeindruckt einen nicht – ganz egal, was sich bei Anderen abspielt.

Sei glücklich und lass dich drauf ein.

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