Locker bleiben

Hätte, würde, könnte, sollte – die Grundlagen der Selbstkritik und der hohen Erwartungen. Ein Hoch auf das Konjunktiv. Viel wichtiger ist an dieser Stelle mehr Gelassenheit. Denn in den allermeisten Fällen lässt sich immer wieder feststellen, dass es doch gut läuft und man sich entspannen sollte. Hört sich einfach an und das ist es auch.

Ganz egal, in welchen Umständen man sich gerade befindest, aber wenn man nicht glücklich mit ihnen ist, dann muss man sie ändern. Und man ist in der Lage, mehr zu ändern, als man glaubt. Man muss überhaupt nicht alles ertragen und mit sich machen lassen, was mit einem so gemacht wird. Man hat sehr vieles in der Hand.

Ist es einem aber momentan nicht möglich, etwas an der Situation zu ändern, dann entscheidet man sich für Hier und Jetzt. Vielleicht ist man plötzlich alleinerziehend, pleite oder beides. Vielleicht ist eine Beziehung unerwartet in die Brüche gegangen, vielleicht musst man im Moment beengt wohnen, hat keine Freunde, ein krankes Kind, keine Arbeit, die einen erfüllt. Man hatte große Pläne und Träume, und jetzt ist alles anders gekommen, und man hadert mit der Situation. So hatte man sich das nicht vorgestellt.

Aber jedes Hadern, Bedauern, Zurückschauen oder sich woanders hin wünschen ist ein garantierter Killer der eigenen Lebensfreude. Hätte, hätte, Fahrradkette. Hat man aber nicht. Man ist jetzt genau hier und deshalb macht man jetzt das Beste daraus.

Ganz egal, wie es aussieht, und wie sehr es anders sein könnte – scheiß drauf. Ganz egal, welche Verkettung der unglücklichen Umstände zu der jetzigen Situation geführt hat – ab sofort keine Vorwürfe mehr, kein beschuldigen von sich selbst oder Anderen. Triff eine Entscheidung. Ab sofort wird jeder Augenblick genossen, im Hier und Jetzt. Nicht in Paris, sondern genau dort, wo man gerade ist.

In meinem Leben lief es immer ganz leicht – und dann kam alles anders. Ich kam mitten in meinem Studium ins straucheln. Alle Anderen machten ihren Abschluss und zogen erfolgreich ins Leben, reisten ins Ausland, feierten Parties, gründeten eigene Büros, schmiedeten Pläne und verwirklichten sie. Ich saß zwischen allen Stühlen und kam nicht vor und nicht zurück. Ich habe mit mir und meinem Leben gehadert.

Aber dann habe ich die Dinge und auch meine verschiedenen Jobs angenommen. Ich habe mich bewusst entschieden die Situation anzunehmen wie sie ist und das Beste daraus zu machen. Ich habe die Herausforderung angenommen und auf einmal hatte ich Spaß dabei. Es hat mir Spaß gemacht und ich habe aufgehört nach Anderen zu schauen. Ich habe mich nicht mehr von anderen Menschen aus dem Konzept bringen lassen. Im Gegenteil, ich hatte das ungeheure Privileg Dinge zu tun und Menschen zu treffen, die ich niemals erlebt hätte, wenn ich damals einfach mein Studium hätte durchziehen können. Ich habe die Entscheidung für mich selbst getroffen und das tue ich bis heute. Auf einmal haben sich die Dinge von ganz allein entwickelt.

Ich habe mein Studium beendet und ich bin heute wirklich glücklich mit meinem Job. Aber ohne diesen Umweg hätte ich mich niemals zu der Person entwickelt, die ich heute bin. Ich habe mich mit mir und meinen Zielen und Wünschen neu auseinandergesetzt und bin nacht Stuttgart gezogen und meinen Traumjob bekommen.

Ich hatte Niemals das Gefühle etwas verpasst zu haben oder etwas falsch gemacht zu haben. Denn es ist mein Leben und ich habe es genossen und schöne, erfüllende Zeit gehabt. Mir wurde eine wunderbare Zeit geschenkt. Ich bin stolz auf mich und mein Leben und bisher haben die Menschen, die in meinem Leben sind, das bisher auch so gesehen. Was Andere darüber denken interessiert mich nicht, denn sie sind diesen Weg nicht gegangen.

Es ist nur diese eine eklige Standard-Wunschvorstellung, die einem so viel raubt: „Studieren-Reisen-Freund-Mann-Hochzeit-Karriere-Eigenheim-Kinder-So-soll-mein-Leben-ablaufen“-Ding. Und was passiert, wenn nicht? Wenn kein Partner in Sicht ist? Die Firma Konkurs anmeldet? Du keine Kinder bekommen kannst? Dein Freund dich betrügt?

Will man dann jahrelang seiner Wunschvorstellung nachtrauern? Nein, auf gar keinen Fall! Man ist im Hier und Jetzt. Man gibt sein Alles, sein Bestes, feiert jeden Augenblick und scheißt auf die Wunschvorstellung. Hätte, könnte, sollte gibt es nicht mehr für einen.

Es ist mein Leben und jetzt ist die allerbeste Zeit für mich.

Man braucht nicht viel um glücklich zu sein, auch wenn man jeden Tag wieder sieht was man noch alles brauchen könnte und haben will. Das Allermeiste braucht man überhaupt nicht. Auch als Genießer schöner Dinge und Verfechter, dass man es sich überall hübsch machen sollte, aber durch überhöhte Konsumwünsche entsteht nur Stress. Auslandsreisen, eine Designertasche, eine teure Wohnungseinrichtung, schicke Kleidung oder ein neues Auto. Aber das ist alles ganz unwichtig! Denn es ist absolut unwichtig ob man in einem teuren Wagen oder den neuesten Klamotten umherfährt oder zweimal im Jahr in den Urlaub fliegt. Wichtig ist, dass man glücklich mit sich und seinem Leben ist und sich nicht stressen lässt.

Armut, Mangel und die Auswirkungen davon mag niemand. Man will das schönste Haus, das beste Auto, und alles, was man sich obendrauf noch wünscht. Aber wenn man dafür seine Lebensqualität opfern muss, um diese Dinge zu erreichen, dann lohnt es sich nicht. Es gibt für alles einen Zeitpunkt – also sollte man sich selbst keinen Stress oder Druck machen, wenn bei einem selbst die Konsumwünsche momentan nicht erfüllt werden können. Es ist nur Zeug. Man kann alles genießen – aber wenn man es nicht hat, kann man trotzdem genießen. Das tut dem Genuss keinen Abbruch. Locker bleiben und sich nicht unter Druck setzen. Sich entspannen, statt frustriert darüber nachzudenken, was einem noch zu seinem Glück fehlt.

Sich an sich selbst freuen und die eigene Einzigartigkeit lieben, dass ist wichtig. Freude daran zu haben wie man ist und die Dinge auf die eigene Weise tun. Das Leben auf die eigene Art leben, so wie man es mag und will, bis ins kleinste Detail. Die eigene Art mögen und sich nicht von Anderen verunsichern lassen. Andere stellen sich die Dinge immer anders vor, deshalb sind sie anders. Aber unser Leben ist gut so wie es jetzt gerade ist. Das hat alles nichts mit Egoismus, Narzissmus oder Selbstverliebtheit zu tun – es ist eine gesunde Sicht, und die einzige Voraussetzung dafür, dass man eine ständige Quelle der Inspiration für andere Menschen ist.

Es geht dabei nicht um richtig oder falsch. Sich auf das Schöne und was großartig läuft zu konzentrieren macht den Unterschied, denn alles andere ist irgendwie so unbedeutend und hat kein Gewicht. Es ist nicht entscheidend, was richtig oder auch falsch läuft. Es geht darum sich mit sich selbst wohl zu fühlen und locker und entspannt zu bleiben. Es ist nicht so wichtig, ob man alles richtig macht, wer bestimmt überhaupt was richtig ist. Es ist wichtig, dass man das liebt, was man tut, vor allem aber auch sich selbst.

Sich selbst nicht verunsichern lassen ist ein Grundstein beim Wohlfühlen mit sich selbst und seinem Leben. Die eigene Art mögen und es egal sein lassen, wenn es jemand anders nicht tut. Was andere über einen denken, geht einen nichts an! Man muss Niemandem Rechenschaft ablegen und sich Keinem erklären, warum man die Dinge tut, wie man sie tut. Man muss es Keinem recht machen oder etwas beweisen, man muss keinem Zeigen, was für eine tolle Person man ist. Egal wie die Erwartungen der eigenen Umgebung auch sind. Manchmal wird Applaus geklatscht, manchmal nicht. Und man tut besser daran, sich überhaupt nicht danach zu richten, wohin das Fähnchen im Wind weht – sonst wird’s ein armseliges Dasein.

Man braucht keine Bestätigung von außen. Wenn sie da ist – schön, wenn keine da ist – auch schön. In dieser Zeit lernt man nämlich, frei davon zu sein. Man folgt seinem Herzen und was andere denken, geht einen nichts an. Das heißt nicht, dass man keiner anderen Meinung zuhören soll – aber immer dann, wenn sie einen verunsichert, die Lebensfreude raubt, und einen klein macht, kann man darauf verzichten.

Man ist inspiriert statt verunsichert. Ermutigt, statt gedämpft oder traurig. Es geht darum sein Leben und sich selbst zu lieben und nicht zu verurteilen. Alles andere kann man vergessen und sich einfach entspannen. Aus Druck, Stress, schlechten Gewissen oder Bedauern ist noch niemals etwas Neues, Kreatives, Echtes, Wertvolles entstanden. Und deshalb ist das alles nichts!

Inspiration beinhaltet für mich den Wortstamm „Spirit“ – und das ist mehr als Verstand, mehr als bloßes Tun, mehr als nur „Dinge richtig machen“ oder „auf die Reihe kriegen“, mehr als Können oder Schaffen. Es ist Sein – und in diesem speziellen Fall: das persönliche Sein.

Das ist schon alles. Alles, was ich mit euch teile, soll euch beflügeln, aufatmen lassen, euch entspannen, euch den Druck rausnehmen. Und ich bin absolut davon überzeugt, dass genau das passiert.

Ein Gedanke zu „Locker bleiben“

  1. Du sprichst mir aus Herz und Seele. Ganz ähnliche Erfahrungen habe ich auch gemacht. Heute geht es mir gut und ich bin zufrieden. Finde es sogar toll wenn das Leben Überraschungen und Herausforderungen bereit hält…

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