Du schaffst richtig viel

Eins ist mal klar, denn wer nicht viel auf die Reihe kriegt – der kriegt nicht viel auf die Reihe. Das Prinzip von Saat und Ernte gilt nicht nur für den Acker, und ich will unbedingt, dass man in seinem Leben die schönsten und saftigsten Früchte erntet. Es ist für mich sehr wichtig, dass bei all der Liebe und der positiven Energie, reine Lebenslust und Tatendrang rauskommt, und nicht so ein Schwelgen in esoterisch-träumerischen Gefühlen, bei denen man sein Leben nicht im Griff hat.

Bei solchen Themen gibt es stets zwei Extreme, naämlich einmal diejenigen, die Tag für Tag unter Druck ackern, weil sie keine eigenen Grenzen kennen, jemandem etwas beweisen wollen oder unter Perfektionismus und Pedanterie leiden. Und es gibt die Berufs-Chiller, die in den Tag hineinleben, und grundsätzlich Leistung verweigern oder auf optimale Bedingungen warten, die niemals kommen werden oder eben nur das Nötigste machen.

Ich kenne keine Faulheit und tagelanges Abhängen, bekomme viel auf die Reihe und das sehr erfolgreich, allerdings ist alles so beschwingt und leichtfüßig, dass es wirklich Spaß macht. Stell‘ dir vor, du möchtest ein Hochzeitskleid schneidern lassen oder einen Schrank vom Schreiner bauen lassen oder du brauchst Hilfe mit deinen Finanzen, denn bei dem Dschungel aus Krediten, Versicherungen und Geldanlagen steigst du selbst kaum durch.

Nun gibt es in jeder dieser Branchen unzählige Profis und jedes Mal stellt sich die Frage, welchen von diesen würde man beauftragen. Unabhängig vom Sympathiefaktor wäre einem vor allem eins wichtig, denn derjenige soll seinen Job so gut wie möglich machen, einfach exzellent. Wenn man mit Sicherheit wüsste, dass man eine Spitzenleistung bekommt, wäre man sogar bereit, etwas mehr Geld zu investieren, denn es geht schließlich um das eigene Kleid, um den eigenen Schrank und um die eigenen finanziellen Angelegenheiten. Es geht um einen Selbst und deshalb wählt man jemanden, der seine Arbeit exzellent macht, ist ja klar.

Wir machen die Dinge immer exzellent. Zu uns passt kein Aufschieben, kein nachlässiges Erledigen, kein Mittelmaß, kein Gepfusche, denn es gibt nichts Minderwertiges oder Halbherziges. Kein „Da habe ich jetzt keinen Bock drauf, also mache ich es irgendwie. Diese Exzellenz betrifft alles, womit du es im praktischen Bereich zu tun hast, mangels Alternativen. Das passiert weder aus Druck oder Zwang, nicht aus dem Gefühl heraus, jemanden etwas beweisen zu müssen, nicht aus der Angst heraus, nicht gut genug zu sein. Mit Exzellenz meine ich ausdrücklich nicht Perfektionismus oder Pedanterie. Diese beiden sind aus der Angst geboren, etwas falsch zu machen, möglichst perfekt sein zu wollen, und eigentlich Zwänge. Exzellenz ist Genuss und Schönheit und Flow in einem, da kann nur etwas Gutes herauskommen.

Deshalb ist es so wichtig die Prokrastination zu entfernen. Denn Prokrastination wird ein bisschen milde belächelt, aber sie ist ein Massenphänomen, schließlich schiebt Jeder Unangenehmes auf und das ist irgendwie menschlich und sympathisch. Das mag ja alles sein, aber wir sind hier eben nicht bei menschlich und ich wünsche mir, dass du die Prokrastination ab sofort nicht mehr als harmlos bezeichnest. Mögen alle anderen bei einer unangenehmen Aufgabe „erstmal Instagram und Käffchen“, du siehst es als das, was es ist, nämlich ein Lebenszeit-Fresser. Zu prokrastinieren ist irgendwie teenagerhaft, nicht verantwortungsvoll, und passt nicht zu dir. Man kann sich nicht vor Dingen drücken, nur weil sie zunächst unangenehm erscheinen. Die Aufschieberitis soll sich mal vor dir drücken.

Prokrastination ist eine ganz schwache Energie und man kann sie tatsächlich leicht überwinden, aber nicht durch Kämpfen und Zwingen und „Ich muss da jetzt durch“, sondern einfach durch’s Bewusstmachen, dass das Ding nichts für dich ist. Ganz so, wie wenn einem eine Verkäuferin eine hässliche Billig-Handtasche anbietet, und man freundlich, aber entschieden „Nein, danke, die ist nichts für mich.“ entgegnet. Man könnte sie trotzdem nehmen, aber wir wollen ja schließlich was zustande bringen. Also nehmen und Zeug auf die Reihe kriegen geht leider nicht gleichzeitig.

Manche schieben Dinge schon so lange und so beharrlich auf, dass die Prokrastination quasi zu ihrer Persönlichkeit geworden ist. Man denkt dann, dass man gar nicht mehr anders kann. Und ich sage dir, das stimmt nicht. Es mag ein bisschen dauern, bis es einem ins Fleisch und Blut übergegangen ist, aber ich würde an dieser Stelle überhaupt nichts als „ich bin so.“  akzeptieren.

Du kannst das. Du kannst es wirklich entfernen. Und ja, ich weiß genau, dass man ganze Regale mit Büchern über Prokrastination füllen und teure Workshops buchen kann, wie man das Ding am besten los wird. Dabei ist es so einfach.

Als erstes entfernt mal Ablenkung. Dieser Ratschlag ist wichtiger, als man zunächst glaubt, denn seitdem ich das konsequent umsetze, ist der Lebensqualität-Unterschied zu vorher enorm. Es überrascht mich selbst. Das Smartphone ist der Produktivitäts- und Konzentrations-Killer Nummer eins. Deshalb lautet mein Ratschlag, hat man eine Aufgabe zu erledigen, dann lege das Handy in einen anderen Raum, im Stumm-Modus, keine Vibration, kein auf dem Tisch umgedreht liegen lassen, kein Flugmodus. Du wirst staunen, wie unfassbar viel Zeit und Effektivität dir das bringt.

Mir ist absolut klar, dass das Handy einfach Sucht vom Feinsten ist. Alleine die ständige Dopamin-Ausschüttung, wenn man einen netten Kommentar oder eine schöne WhatsApp bekommen hat. Aber auch hier gilt, man ist ungefähr eine Million Mal stärker als jedes Smartphone und wenn ich dir sage, dass du in der Lage bist, das Ding für 2 Stunden stumm in einen anderen Raum zu legen, dann glaub mir ein einziges Mal.

Außerdem entfernst du die Unlust. Die Einstellung „Ich halte hier durch, bis ich etwas Neues habe, das mich erfüllt, das mache ich dann exzellent.“ist reinste Selbstlüge. Das gilt übrigens auch für „Ich räume meine Wohnung erst auf, wenn ich eine neue, schönere habe.“ oder für „Ich stehe ganz früh auf und fange schon um 8 mit der Arbeit an, wenn ich eine Beförderung bekommen habe.“ All das wird nie passieren. Wenn man an seiner jetzigen Arbeitsstelle alles schlampig ausführt, sein Zimmer jetzt nicht ordentlich hält und jetzt bis zum letzten Drücker im Bett bleibt, dann wird niemals ein Upgrade kommen. In keinem Bereich.

Ich würde dir als Chefin niemals mehr anvertrauen, wenn ich merke, dass du deine jetzigen Aufgaben halbherzig und unzufrieden ausführst, in der Hoffnung auf etwas Besseres, Größeres oder dir Würdigeres. Diese Einstellung ist weiterverbreitet, als man glaubt, denn man hat einen großen Traum und bis sich dieser erfüllt hat, ist man sich quasi zu schade, geringere Aufgaben zu übernehmen. Oder erledigt sie zwar, aber eben etwas lustlos, weil „Das ist ja noch nicht mein großes Ding, eigentlich will ich was ganz Anderes…“

Dein „Eigentlich will ich was ganz Anderes…“ in Ehren – ich bin garantiert der größte Supporter von Träumen und Zielen überhaupt, allerdings baust du nur Luftschlösser, wenn du das, was du im jetzt hast, nicht würdigst.

Dabei verpasst du gänzlich, dass du jetzt alles zur Verfügung hast, um jetzt zu lernen, was du lernen sollst. Du missachtest die kleinen Schritte dahin, genießt weder diese noch den gesamten Lernprozess und wartest auf veränderte Umstände. Du siehst nicht, dass die Fähigkeiten, die du jetzt zwangsläufig durch begrenzte Ressourcen erwirbst essentiell wichtig für dich sein werden. Das sind alles ganz wichtige Etappen auf deinem Weg, missachte sie nicht mit deiner Geringschätzung! Du lernst, aus wenig, viel zu machen – du lernst, ungesehen von allen und ohne Applaus, exzellent zu arbeiten – du lernst, immer dein Bestes zu geben – ganz egal, wie das Außen ist. Das wirst du später alles mal brauchen, also versaue es nicht mit deinem „Aber eigentlich will ich was ganz Anderes…“ Dein „Aber eigentlich will ich was ganz Anderes…“ kannst du nicht verpassen, wenn deine Herzenshaltung stimmt.

Man schafft jede Menge und hat auch noch Spaß dabei. Es gibt Zeiten im Leben, da muss man richtig ranklotzen – also wirklich viel arbeiten, und viel Leistung bringen. So lange diese zeitlich begrenzt sind, ist alles super. Also beschwere dich nicht, wie schwer du es hast, und wie viel Arbeit an dir hängt, denn du bist leistungsfähig, kannst Dinge durchziehen, und Gas geben, wenn man Gas geben muss. Das Gejammer bringt dich kein Stück weiter, und raubt dir noch zusätzliche Kraft.

Mein Pensum an Arbeit ist wirklich groß und wenn man nicht direkt dabei ist, kann man es sich kaum vorstellen. Das wiederum liegt zum großen Teil daran, dass ich so einen Schwung habe, dass ich das Meiste gar nicht als Arbeit wahrnehme, also empfinden es die anderen auch nicht so. Aber tatsächlich habe ich einfach beschlossen, dass die Aufgaben, die ich jetzt tun muss, auch tun kann was bringt es, sich zu wünschen, dass sie jemand anderes tun würde? Seitdem ist meine Leistungsfähigkeit auf’s Doppelte angestiegen, und es läuft wie verrückt. Außerdem habe ich einfach Spaß bei der Sache, weil ich werde es so oder so machen, dann eben mit Spaß.

Auch wenn ich jedes Verständnis dafür habe, dass man sich beschwert, dass der Arbeitskollege oder Ehepartner nicht mit anpackt, wenn Hilfe nötig wäre, aber letzten Endes raubt man damit nur sich selbst die Lebensfreude. Entweder, ihr klärt das ein für alle Mal oder ihr macht alles selbst und übernehmt für alles die volle Verantwortung, aber dann ohne Beschweren, ohne Gejammer, ohne Schuldzuweisungen. Ob man mit jemanden dauerhaft Zusammensein oder arbeiten will, der einfach nur stinkefaul ist, steht auf einem anderen Blatt.

Ich habe nicht gesagt, dass man sich keine Hilfe holen soll, oder um diese bitten – ich habe lediglich geschrieben, dass man wirklich leistungsfähig ist. Da, wo andere mit Stöhnen anfangen, packst du die Dinge an und ziehst sie durch. Du machst es einfach wie ich – nicht in der Opferrolle, nicht als „das muss ich jetzt auch noch, und schaut wie viel Arbeit ich habe.“, sondern dankbar, dass dir so viel anvertraut wurde. Und wenn du Hilfe brauchst, wird sie zum genau richtigen Zeitpunkt da sein, versprochen! Ich weiß, wovon ich rede. 

Also jetzt hat keiner mehr eine Ausrede.
Auf geht’s!

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