Keine Ausreden mehr

Ich kenne niemanden, der es gernhat, wenn er von anderen belogen wird. Ist auch verständlich! Aber wisst ihr, was noch viel schlimmer ist? Wenn man sich selber belügt. Das geschieht jedes Mal, wenn man Ausreden zur Hand nimmt: warum bei dir dieses und jenes nicht klappt, warum du nicht in der Lage bist, dich zu ändern, warum bei dir dies und das immer wieder schief läuft, usw. Ausreden haben die Eigenschaft, dass wenn man oberflächlich hinhört man durchaus als Reaktion darauf mit dem Kopf nicken könnte: „Ja, das verstehe ich… na klar. In deiner Situation.“

In deiner Situation soll heißen: in deiner besonders schlimmen, aussichtslosen, katastrophalen, noch nie dagewesenen, unmöglich zu lösenden Situation, da würde ich auch verzweifeln und in den Wald zum Sterben gehen wollen. Mal ehrlich. Doch, das verstehe ich.

Aber angenommen mal, man entlarvt die Ausrede als Lüge, nur mal angenommen. Soll ich euch sagen, was dann passiert? Man ist leicht schockiert, dass man sich so lange hat verarschen lassen und zwar von sich selbst! Man kann jede Ausrede einfach mal als Wahrheit formulieren und siehe da, es ist ganz leicht, sie zu überwinden. Es gibt jetzt ein paar Beispiele, an ganz einfachen, täglichen Dingen. Machen wir es konkret.

Es fällt schwer, ordentlich im Haushalt zu sein. Klar, es gibt eben Typen von Menschen, die sind quasi strukturiert auf die Welt gekommen. Man hat aber immer Chaos um sich herum. Da kann man nix machen, es ist halt so. Heute ist es schon zu spät zum Aufräumen, hier liegt zu viel herum, da lohnt sich das Anfangen gar nicht mehr, erst musst du Kleiderbügel besorgen, so schlimm ist diese Ecke gar nicht. Das verstehe ich.

Man könnte aber auch genauso sagen: „Ich bin einfach faul. Weder ich selbst, noch meine Familie sind es mir wert, in einer ordentlichen Umgebung zu leben. Meine eigene Faulheit steht für mich im Vordergrund. Ich bin zu bequem, um täglich etwas Zeit für eine schöne Umgebung zu investieren – lieber lebe ich im Dreck.“ Und, hört sich das scheiße an? Gut so. Denn man kann sich doch wohl nicht von der Faulheit bestimmen lassen. Wäre doch gelacht, wenn man sich von einer absolut schwachen, minderen Energie den Alltag bestimmen lässt. Bitte.

Es fällt einem schwer, mal wirklich zu entspannen. Man funktioniert nur, alles muss erledigt sein, alles stets perfekt, keiner kann es besser als du und deshalb delegiert man wenig, man kommt nicht zu Ruhe, bevor alles tip top ist, überall muss es 100%tig sein, man kannt nicht wirklich genießen, man ist wie getrieben. Na ja, man hat aber auch viel zu tun, oder? Klar, das verstehe ich.

Man könnte aber auch genauso sagen: „Ich bin mir selbst nicht wertvoll genug, um meinem Körper Ruhephasen zu gönnen. Ich liebe meine Familie nicht genug, um zu garantieren, dass ich lange fit und gesund bleibe und nicht mit einem Burnout oder Dauermigräne zusammenbreche. Da sind mir blitzblanke Fußböden wichtiger. Der Perfektionismus zählt für mich mehr als entspannter Alltag, in dem ich einfach genieße.“

Und, Mist oder? Man weiß genau, wie kostbar das Leben ist und wie wichtig es ist, dass man lange fit und zufrieden bleibt und einem ist auch klar, dass man seine Kinder nur eine kurze Zeit bei sich hat, bevor sie das Haus verlassen und deshalb will man jeden Augenblick auskosten und genießen! Und das geht nun mal nicht, wenn man wie getrieben ist! Das kann es wirklich nicht sein!

Es fällt einem schwer, Gewicht zu verlieren. Obwohl man deutliches Übergewicht hat und sich von Herzen wünscht schlanker zu sein. Man hat es schließlich schon so oft probiert und was war? Bestimmt liegt es einfach an deinem Stoffwechsel, schweren Knochen und der Veranlagung. Man isst eigentlich fast gar nichts den ganzen Tag und nimmt trotzdem nicht ab, genau. Man könntet aber auch einfach ganz ehrlich sagen: „Ich bin nicht in der Lage, um über meinen Körper zu bestimmen. Ich bin willenlos dem Zucker und dem Fett ausgeliefert – eine einzige Packung Marsriegel ist stärker als ich.“ Das kann doch nie und niemals sein! Man ist unendlich stärker und absolut fähig, über seinen Körper zu herrschen!

Es fällt einem schwer regelmäßig Sport zu treiben. Vor ein paar Wochen sagte ein Freund zu mir folgenden Satz: „Wenn du morgens aufstehst, dann trinke ein Glas Wasser, zieh deine Turnschuhe an und lauf los und komm erst nach 20 Minuten wieder.“ Ich dachte leicht schockiert: „Also, das werde ich doch wohl noch hinkriegen“ Von da an stand ich auf und lief los, jeden 2. Tag. Viele sind gerne ein konsequenter Sportverweigerer und unheimlich kreativ darin, Gründe zu erfinden, warum sie keine Zeit, Lust oder Gelegenheit haben sich sportlich zu betätigen.

Seit diesem Satz aber wurde mir auf einen Schlag klar: alles nur Ausreden. Ich belüge mich selbst mit schönster Regelmäßigkeit. Jedes Mal also, wenn solche Gedanken kamen, ihr wisst schon: „heute ist das Wetter mies, ich habe keine Zeit, keine Lust, kann ich auch noch morgen machen, drehte ich den Spieß um und machte mir deutlich klar: Ausrede. Ausrede. Wieder Ausrede, wie viele Ausreden kann man erfinden? Es ist beinahe schon eine Zirkusnummer, denn ich kann mich in meine eigene Vorstellung setzten und mich von den Ausreden unterhalten lassen, so vielfältig sind sie!

Man könnte dann nämlich mal wenigstens ehrlich sein und direkt sagen: „Ich bin mir selbst nicht wichtig genug, dass mein Körper fit und gesund ist. Mein Leben ist so bedeutungslos, dass es egal ist, ob ich irgendwann Rückenprobleme bekomme oder es kaum schaffe, die Treppen hoch zu kommen. Alles andere hat für mich Priorität, als meinen Körper leistungsfähig und gesund zu halten.“ Ähm… erschreckend, oder? Will man wirklich so von sich selbst denken?

Man hat Ideen und Träume, was seine Zukunft anbetrifft und eigentlich will man dieses und jenes erreichen und hat so viele Ziele, nur bisher ist nichts passiert. Das liegt aber nicht an einem selbst, sondern das hat viele Gründe! Man hat keine Zeit, kein Geld, keine Möglichkeiten, keine Partner, keinen Laden, keine Gelegenheit. Klar, verständlich.

Oder man ist mal ehrlich und sagst ganz einfach: „Ich benutze jede nur mögliche Ausrede, um nicht anfangen zu müssen. Alles nehme ich als Hinderungsgrund – ich denke klein und schwach von mir. Ich bin nicht in der Lage, Schwierigkeiten zu überwinden, und gebe bei jeder kleinen Herausforderung auf. Ich liebe mich selbst nicht genug, als dass ich die Angst überwinde, und meinen Traum lebe. Außerdem bin ich zu faul, um kleine Schritte zu machen.  Da warte ich lieber, bis eines Tages eine Million Euro vom Himmel fallen.“ Das will man nicht ernsthaft von sich sagen wollen, oder? Eine Nacktschnecke könnte so von sich selbst denken, okay. Das würde ich verstehen.

Man hat Angst. Angst, dass man seinen Partner verlieren könnte, dass alle krank werden könnten, dass man seinen Job verliert und keinen neuen findet, dass man mittellos oder einsam wird, dass man sein Leben nicht auf die Reihe kriegt, dass aus seinen Kindern nichts wird, dass sein Geschäft pleitegeht, usw. Man hört aber auch stets schlimme Nachrichten, und man weiß noch genau, wie es damals Onkel Hans schlimm getroffen hat. Welche Garantie gibt es, dass es einen nicht trifft? Mal gewinnt mal, man verliert man. Klar, verstehe ich.

Oder aber man gesteht sich ein: „Ich glaube der Angst mehr als der Liebe. Ich vertraue Gott gar nicht, und lebe weiterhin wie ein Hund. Ich lasse mich von den Umständen, Ängsten und Sorgen beherrschen. Mein Fall ist gar nicht anders. Ich bin insgesamt nur schwach und unfähig.“

Absolut lächerlich. Hat es dich hier und da etwas unangenehm gepikst? Oder fühlst du dich leicht verärgert oder gar auf den Schlips getreten von mir? Ausreden schätzen es gar nicht, als solche entlarvt zu werden! Da werden die schon mal stinkig! Schließlich ist deine Situation ganz besonders aussichtslos, richtig?

Vor ein paar Wochen hatte ich mit einer größeren Herausforderung zu tun. Mir ging es wirklich beschissen, ab und zu musste ich deshalb weinen. Eine gute Freundin, die das mitbekam konnte es gar nicht fassen und fing an zu lachen. Als ich sie deshalb entsetzt anschaute wurde es nur schlimmer. Ich fand das gar nicht zum Lachen und meinte nur, dass ich es sowieso nicht schaffen würde. Sie sah mich nur an und meinte, dass es die lahmste Ausrede wäre, die sie von mir gehört hätte. Ich wäre schließlich stark und bräuchte deswegen nicht zu weinen. Vor allem sollte ich aufpassen, dass ich in meinem Selbstmitleid nicht ertrinke. Ich weiß, dass einige von euch mit Sicherheit verletzt wären, wenn jemand angesichts schlimmer Umstände so mit euch reden würde. Viel schöner ist es doch, wenn man einfach: „Na klar, das verstehe ich…“ sagt.

Oder aber man hört auf, sich selbst zu verarschen und sagt gerade aus: Ich kann mich doch nicht von einem Umstand so beherrschen lassen. Ich lasse mir nicht von etwas Äußerem meine Lebensfreude rauben. Ich bin stärker als alles andere. Die Liebe selbst lebt in mir, da hat Angst keinen Platz. Ich liebe und schätze mich so wert, dass ich auf meine Gesundheit und meinen Körper achte. Ich habe mein Leben im Griff und lasse mich nicht von Depression, Passivität und Faulheit bremsen. Mein Leben ist wichtig, deshalb achte ich auf mich und meine Umgebung. Ich bin so kostbar, dass ich keinem Menschen oder Dingen nachweine, die mich nicht verdient haben. Ich bin in der Lage, alle Schwierigkeiten zu überwinden, und hinterher noch stärker zu sein. Ich bin frei und bleibe frei. Ich bin so glücklich, wie man nur glücklich sein kann!

Alles andere sind nur lahme Ausreden.

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