Warum du keinem etwas beweisen musst

Ich habe schon sehr jung angefangen zu arbeiten und das einfach weil es mir Spaß machte und nicht wegen des Geldes. Auch wenn das ein Thema ist, mit dem ich mich hier sehr gern ein andermal beschäftige. Ich habe schon immer viel mit Menschen „gearbeitet“. Ob als Jugendliche, wo ich Sportler gecoacht habe, später im Fitness-Studio oder jetzt in den Büros oder auf Baustellen. Dabei bemühte ich mich immer sehr – und doch wurde ich von einem ständigen, ganz feinen, und höchst unterschwelliger Druck begleitet, es gut machen zu wollen in mit allem umgehen zu können. Das war in keinster Weise an etwas Äußerem festzumachen, sondern ein unbestimmtes Druckgefühl, das sich unauffällig beigesellte.

Ich arbeite immer nach meinen eigenen Regeln und schaue gerne neue Dinge an und lasse mich davon voranbringen und inspirieren, aber viele verstehen das nicht. Einmal gab es während einer Korrektur in meinem Studium eine Begebenheit. Denn ich hatte Zweifel, ob ich mit dem Entwurf richtig lag und stellte ihn deshalb in Frage. Nie werde ich die lockere Antwort meines Professors vergessen, denn der meinte „Sie machen das super und an dem Entwurf sieht man, dass sie sich genau mit den richtigen Dingen auseinandersetzen.“

Das war der Augenblick, in dem ich aufhörte gut sein zu wollen. Und es einfach war. Ich war einfach nur Kerstin. Ich machte im Äußeren vielleicht absolut nichts anderes als zuvor und trotzdem war alles begleitet von einer absoluten Unbekümmertheit und Leichtigkeit – und ich war garantiert diejenige, die bei dem ganzen Ding den meisten Spaß hatte.

Der Satz des Professors traf mich tief, denn er drückte ein grenzenloses Vertrauen in mich aus und machte mir auf einen Schlag klar: ich muss hier keinem etwas beweisen. Schau, in jedem Lebensbereich gibt es ein Leitbild – eine Art Idealvorstellung, wie man zu sein hat. Dieser wird zum größten Teil von den Medien geprägt. Und zusätzlich von der Schwiegermutter – die in diesem Falle das Synonym für Mitmenschen ist, mit denen du dich umgibst.

Und je mehr man dieser Vorstellung entsprechen will, umso mehr Druck kommt in dein Leben, umso schwerer und komplizierter fühlt sich alles an, umso mehr hast du das unbestimmte, nicht wirklich greifbare Gefühl, nicht zu genügen. Einfach nicht gut genug zu sein – und zwar Hier und Jetzt, genau so, wie du im Augenblick bist.

Und deshalb machst du und tust du, und bemühst dich, und all das ist nicht nur unheimlich anstrengend, sondern vor allem eins: Krampf. Das spielt sich alles ein bisschen unterschwellig ab, und vielleicht weiß das keiner außer dir – und in den meisten Fällen ist es womöglich noch nicht mal dir selbst bewusst.

Ist ja auch egal, ob unbewusst oder bewusst: heute beenden wir das Ganze. Ich nehme dir das weg, wie so eine Lunchbox mit vergammelten Inhalt, die sich wochenlang in den Tiefen deiner Schultasche versteckte und du hast dich immer gewundert, warum es so stinkt.

Du bist nicht auf dieser Welt, um es jemanden recht zu machen. Deine Aufgabe besteht in keinster Weise darin, jede Vorstellung perfekt zu erfüllen und alle zufrieden zu stellen. Du musst dich in kein Schema pressen lassen, keinem Ideal genügen und es fehlt bei dir nichts, „damit es richtig ist.“ Ganz egal, was deine Umstände gerade sagen. Und unabhängig davon, was andere von dir denken. Du musst keinem etwas beweisen.

Du musst deinem Freundeskreis nicht beweisen, wie witzig und schlagfertig du bist. Keiner muss merken, was für eine großartige Begleitung du bist, wie viel Spaß man mit dir haben kann und wie sehr man dir vertrauen kann. Du musst keinem deiner Freunde zeigen, wie cool und hip und stylish und locker und erfolgreich du bist. Du musst dir keine Freundschaft „verdienen“, indem du etwas leistest, du musst keine „Pluspunkte sammeln“ durch bestimmtes Verhalten oder dir Zuneigung erarbeiten. Das ist dann keine Freundschaft, das ist einfach nur superanstrengend und ein einziger Fake. Du musst niemals jemandem nachlaufen, oder dich um ihn bemühen.

Diejenigen, mit denen du befreundet sein sollst, werden ganz automatisch zu dir kommen – unendlich schön, ohne Druck oder Krampf und ohne dein bemüht-komisches Zutun. Vertrau‘ mir, ihr werdet euch finden. Und so lange das noch nicht so ist, entspannst du dich und freust dich daran, dass du dich selbst um dich herum hast.

Du musst keinen großen Freundeskreis haben, mit dem du Sonntags brunchen gehst und keine „Bestie“, mit der du jede Woche alle Neuigkeiten durchquasselst. Wenn du das hast, schön. Falls nicht, auch schön. Dir fehlt nichts, du brauchst nichts, du kannst alles genießen. Und von Menschen, bei denen du das Gefühl einer bestimmten Erwartung bekommst, kannst du dich getrost trennen.

Du musst deinem Partner (oder Dating-Partner oder Ex-Partner.) nicht beweisen, wie cool, attraktiv, locker, intelligent, unabhängig, erfolgreich, humorvoll, junggeblieben, sportlich, liebenswert du bist – bitte setze jeweils die zu den Erwartungen deines Gegenübers passende Kombination ein. Oder wie begehrenswert, sexy, heiß, hemmungslos, erotisch, flacher-Bauch-verführerisch, freizügig und aufgeschlossen du im Bett bist. Du musst dir seine Liebe oder Zuneigung nicht erarbeiten, indem du ihm Wünsche erfüllst, bestimmte Dinge tust, die du eigentlich nicht wirklich tun willst oder dich verhältst, wie du dich eigentlich nicht verhalten willst – selbst, wenn es ganz, ganz „harmlose“, unspektakuläre Dinge oder Kleinigkeiten sind. Dinge von der „Stell dich doch nicht so an“- Sorte.

Du musst deinem Partner Null beweisen – wenn du dich veränderst, dann, weil seine Liebe das einfach so mit dir macht und das hat von seiner Seite aus immer mit Wertschätzung, Hochachtung, Annahme, Vertrauen und einer grenzenlosen Zärtlichkeit zu tun. Nie aus einer Erwartung heraus. Glaub mir, ich kenne mich aus.

Für dich gibt es keine Konkurrenz. Du bist das Schönste und Kostbarste, was es gibt, du bist pure Liebe und pures Glück und du wirst niemals nach einem Partner „suchen“ müssen.

Das ist das Pferd von der falschen Seite her aufgezäumt, wie wenn du einen Mangel hättest! Wie wenn dir was fehlen würde ohne einen Liebsten, wie so ein amputiertes Bein! Dieser romantische Jerry Maguire-du vervollständigst mich-Kitsch ist in Wahrheit nicht nur ein einziger Trugschluss, sondern obendrein noch eine fette Lüge. Hallo, wo sind wir denn?! Das mag ja sein, dass alle in deiner Umgebung dich bedauernd „Und? Wann hast du endlich  einen Freund?“ – mäßig anschauen – aber das heißt noch lange nicht, dass du das auch so sehen musst. Dieser ganze „Auch du findest bestimmt einen.“ und „Ich verstehe gar nicht, warum es bei dir nicht klappt, du bist doch so attraktiv.“ bis „Was stimmt nicht mit dir?“ – Müll ist eine einzige Idealvorstellungs-Soße und macht dich verkrampft ohne Ende.

Du musst weder deinem Freundeskreis beweisen, dass du „normal“ bist, wenn du endlich eine glückliche Beziehung hast, noch musst du allen als Single beweisen, dass du ohne einen Partner ja so locker und glücklich und erfüllt bist. Und du bist ganz sicher kein Versager, falls du dich getrennt hast oder geschieden wurdest.

Du musst ganz einfach keinem etwas beweisen in diesem Bereich. Du vertraust darauf, dass alles zum richtigen Zeitpunkt sich für dich fügt – und zwar schöner, und leichter und großartiger, als du jemals zu träumen gewagt hättest. Und bis dahin entspannst du dich völlig und freust dich einfach so an dir. Und ob sich dann einer dauerhaft und langfristig auch an dir freuen darf, werden wir ja sehen.

Du musst keinem beweisen, wie erfolgreich du bist – weder deinen Eltern, noch deinem Partner, noch deinen ehemaligen Schulkameraden, noch deinen Freunden, noch dir selbst. Am Allerwenigsten dir selbst.

Du musst niemanden beeindrucken, weder mit deinen materiellen Besitztümern, noch mit deiner Karriere, noch mit der Größe deines Start-Ups, noch mit deinen Followerzahlen, noch mit deinen Kooperationspartnern, noch mit deinen Eventbesuchen und schon gar nicht mit deinen „Connections“ und erlesenem Freundeskreis. Dein Leben is not a Kompätischon, wir sind hier nicht bei „zeig mir, was du erreicht hast, und ich sag‘ dir, wer du bist.“- Quiz.

Du tust einfach nur das, was in deinem Herzen brennt – du schaust nicht nach links oder rechts und lässt dich von keinem unter Druck bringen oder verunsichern. Du musst gar nicht „mit 40 etwas aufgebaut haben“ – wer sagt das denn? Wer darf so etwas über dein Leben bestimmen? Du musst überhaupt nicht nach einer bestimmten Zeit etwas erreicht haben – dein Weg ist absolut individuell und für dich maßgeschneidert wie so ein Anzug. Keinem passt er so perfekt wie dir – warum also sich in das Kleidungsstück eines anderen reinzwängen wollen? Kein Wunder ist dann alles unbequem, drückend und unfrei.

Ich weiß ganz genau, dass dieses Denken sehr weit verbreitet ist und dass diese Erwartungen von außen extrem stark sind, so naiv bin ich nicht. Aber ganz egal, wie stark sie sind – du bist noch viel stärker! Also entscheidest du dich, einen Scheiß drauf zu geben und vertraust zu 100% darauf, was in dir ist: ganz locker, entspannt und so fröhlich und unbekümmert wie ein Vierjähriger mit einem Schokoeis in der Hand.

Und du wirst sehen, auf einmal werden nach und nach die kreativsten, schönsten Ideen und Lösungen kommen. Und die richtigen Menschen zur richtigen Zeit. Ganz ohne dein Bemühen, alles richtig machen zu müssen, um ja nichts zu verpassen oder wieder zu versagen.

Scheiß drauf – wenn das Feuer nur richtig hell lodert, dann wird es nämlich alles ganz automatisch passieren. Mit 16 oder mit 60 Jahren. Mit anderen Menschen oder erstmal ohne. Aber auf jeden Fall ohne den ganzen Krampf oder Druck von außen, es „allen gezeigt zu haben.“

Gott liebt dich bedingungslos, dem musst du Null beweisen – er kennt dich eh‘ und genießt dich, wie du bist. Alles, was Veränderung in deinem Verhalten braucht, wird ganz ohne Krampf, Druck oder Regeln passieren, völlig easy und unendlich schön durch die Liebe und Vertrauen

Draufgeschissen, was von dir erwartet wird. Das Schönste, und Stärkste, und Attraktivste und Beste, was du dieser Welt schenken kannst, bist du. Und zwar ganz genau so, wie du gerade bist. Jetzt vertraue mal auf dein Sein und freue dich am allermeisten über dich selbst.

Glaub‘ mir, es gibt keinen auf der Welt, der sich so sehr darüber freut, dass es mich gibt, wie ich mich darüber freue. Ob sich dann auch noch zusätzlich ein anderer über mich freut, ist mir im Grunde nicht so wichtig. Diese ganzen Gedanken und Gefühle und der Dreck, das bist nicht du. Dieser ganze Krampf und Stress und Traurigkeit und Selbstzweifel und Ärger und Aggression und Elend. Das sind nur Gäste, die du dir unbewusst in dein Leben eingeladen hast. Die wirst du im Null Komma Nix los.

Das ist dann zwar zugegebenermaßen ein Prozess, aber ein schöner, weil so eine Aufräumaktion oder Rausschmeißer-Tätigkeit irgendwie Spaß macht, und dich mit jedem Schritt extrem nach vorne bringt. Sieh das ein bisschen sportlich, so mache ich es auch. Das ist supereinfach, denn du triffst eine Entscheidung. Und diese lautet: ich muss keinem etwas beweisen. Ich lebe dieses Leben unbeschwert und voller Vertrauen, dass es bei mir gerade perfekt passt. So, wie ich gerade bin. So, wie es gerade bei mir ist.

Und wenn sich etwas verändern soll, dann werde ich es von innen wissen – und es daraufhin mit Freude ändern. Du musst keinem etwas beweisen.

Und jetzt bleibst du einfach dabei – ganz egal, wer was sagt, oder meint oder erwartet. Und soll ich dir etwas verraten? Dein Leben wird eine Leichtigkeit und Unbeschwertheit bekommen, die du noch nie gekannt hast. Es ist ein bisschen wie Fliegen und Tanzen zugleich. Es ist beschwingt, und gleichzeitig stark. Es ist erfolgreich mangels Alternativen. Es ist voller Vertrauen und voller Energie.

2 Kommentare zu „Warum du keinem etwas beweisen musst“

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