Das bin ich

Seine Fehler genauestens zu kennen und darüber zu sprechen ist eine Kernkompetenz der meisten Frauen. Erstens macht es einen so nahbar, zweitens irgendwie sympathisch, drittens setzt man sich nicht so unter Druck, perfekt sein zu müssen. Und viertens kann man so „an sich arbeiten.“ Ich aber will gar nicht meine Lebenszeit damit verbringen „an mir zu arbeiten“ – ich muss schon morgens aufräumen, meine Bankgeschäfte regeln und zum Sport gehen. Arbeit genug, finde ich.

Mir ist natürlich klar, dass ich einiges anders oder besser machen könnte – so naiv bin ich nicht. Aber die wenige Zeit, die mir zur Verfügung steht, konzentriere ich mich voll und ganz auf meine Stärken, genieße sie, feiere sie und gebe ihnen dadurch Bedeutung – ich bin mir nämlich mehr meiner Stärken als Schwächen bewusst. Ich bin mir zu schade dafür, ständig an mir selbst herum zu doktern und meine Fehler zu analysieren – ich finde es bereits nervig und inakzeptabel, wenn es jemand anderes tut (hat er nicht genug eigenes Zeug zu tun?!) Wie dumm wäre ich, wenn ich es zusätzlich selbst noch machen würde!

Wenn du mich also nachts um 12 weckst, müsste ich bestimmt minutenlang und angestrengt nach meinen Schwächen suchen, könnte aber auf Anhieb aufzählen, was ich an mir liebe.

Vor ca. 1 Jahr tippte ich in mein Handy folgende Begriffe:
LIEBE.
WÜRDE.
GRÖßE.
SCHÖNHEIT.
STÄRKE.

Das ist seit Kurzem sogar mein Iphone-Hintergrundbild und erinnert mich zig mal täglich an das, was ich bin. Ich bin nämlich Liebe. Und Würde. Und Größe. Und Schönheit. Und Stärke.

Und jedes Mal, wenn ein Angebot kommt, mich davon ablenken zu lassen und stattdessen darüber zu grübeln, in welchen Punkten ich überall versage, ich es anders oder besser machen könnte, sollte, müsste… – weigere ich mich. Ich weigere mich standhaft und entschieden, darüber nachzudenken, das zu analysieren oder mich damit länger als nötig zu beschäftigen.

Wenn ich es ändern kann, ändere ich es. Wenn nicht, dann passt es gerade auch. Solange aber fokussiere ich mich voll und ganz darauf, die beste Kerstin zu sein, die ich sein kann – also einfach ich! Irgendwas mit beschwingt und glückselig und entschieden und konsequent zugleich. Ich einfach.

Denn Kerstin-Sein, das bedeutet für mich vor allem eine enorme Leichtigkeit gepaart mit absoluter Entschlossenheit und Klarheit. Ein aufgewecktes Vergnügt- und Verspieltsein, und gleichzeitig eine hohe Professionalität – immer, wenn man sie gerade braucht. Kindliche Abenteuerlust und Reife zugleich. Beschwingt, lebenslustig und dynamisch – und unerschütterlich und beständig zur selben Zeit, mich wirft nichts so schnell aus der Bahn. Übermütig, verschmitzt und ständig übersprudelnd und zugleich hocheffektiv und voller Vertrauen und Konsequenz. Ich zu sein fühlt sich an, wie wenn man ständig auf einer Schaukel fliegen würde (weil es immer ein bisschen vor schöner Spannung im Bauch kribbelt, und hui…) und gleichzeitig wie ein General, der überall das Sagen hat (weil ich mir der Verantwortung für mein eigenes Leben und der damit verbundenen Autorität jederzeit bewusst bin).

Aus dieser Fokussierung auf mein Sein fließt so eine enorme Power, dass sie mit Leichtigkeit alles andere mitnimmt – nein, mitreißt und zum Guten verändert. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Eine einfache Sicht, ich weiß – aber für Abteilung kompliziert ist jemand anderes zuständig. Ich kann nur: einfach. Und selbst, wenn es sich für andere zunächst befremdlich lesen mag, so über sich selbst zu schwärmen, hat es jedoch meinerseits nichts mit Arroganz, Eitelkeit oder Narzissmus zu tun – mir ist einfach nur bewusst, wer ich bin. Das ist gesundes Selbstbewusstsein.

Ich zeige dir das an einem ganz praktischen Beispiel: Vor ein paar Tagen fand ich auf meinem Handy ein kurzes Video – das stammt vom Tag, an dem ich die Schlüssel zu meiner Wohnung bekam. So beeindruckend und wunderschön die Räume sich jetzt präsentieren, so lang, herausfordernd und immer wieder entmutigend war der Weg davor – und im Grunde auch währenddessen und danach. Denn immer wieder gab es schlechte Nachrichten, Schreckensmeldungen, Dramaszenarien, scheinbar unüberwindbare finanzielle Hürden und eigentlich sah es die meiste Zeit so aus, wie wenn das, was ich mir gewünscht hatte, einfach nicht möglich ist. Denn ganz ehrlich: wie wahrscheinlich ist es, dass man ein so tolles Objekt mitten in der City zum kleinen Preis findet, welches man selbst umgestalten darf? Dass das Ganze zusätzlich unter Zeitdruck stattfand, machte die Sache nicht einfacher. Alles hinzuschmeißen und sich mit einem Kompromiss zu begnügen, wäre naheliegend gewesen – und es gab für mich unzählige Gelegenheiten, einfach aufzugeben. Denn wie sollte ich das jemals schaffen, vielleicht habe ich mir zu viel vorgenommen, außerdem ist alles unrealistisch, usw. Was mir damals am meisten half, waren weder gut gemeinte Ratschläge („Ach, ihr findet schon etwas.“), noch positives Gerede („Kopf hoch!“), sondern die ganz einfache Frage: WER BIN ICH?

Bevor ich überhaupt anfangen konnte, zu weinen, sagte mein Bruder: „Weißt du überhaupt, wer du bist?! Jetzt stell‘ dich nicht so an, du packst das mit Links.“ Das klang natürlich nach Null Verständnis und Mitgefühl (Und hey! Ich hatte allen Grund zum Weinen!) – war für mich aber die effektivste Art und Weise, wieder klar im Kopf zu werden. Denn einer muss ja der Spezialist für’s Unmögliche sein, also übernehme ich den Job einfach.

Es gibt weiterhin jeden Tag Angebote, die mich von diesem bewussten Sein ablenken wollen. Und täglich treffe ich eine Entscheidung, mich nicht ablenken zu lassen und mich auf das Wichtigste zu konzentrieren: mein Sein. Dieser Tatsache bin ich mir einfach bewusst – dass mein Sein das Schönste und Stärkste ist. Und jedes Mal, wenn mich etwas davon ablenken will, weigere ich mich, dieses Angebot anzunehmen.

Ich persönlich nenne dieses Kerstin-Sein – jetzt lacht nicht! – „mich selbst spüren“, weil: ich spüre mich dann einfach tatsächlich ganz tief innen drin. Das ist ein bisschen schwer zu beschreiben, weil das irgendwie nichts mit Gefühlen zu tun hat. Ab und zu verliere ich dieses Spüren, weil ich so abgelenkt bin von allem Möglichen – das äußert sich darin, dass ich schnell genervt und ungeduldig mit mir selbst und den anderen bin, und insgesamt beeindruckter von negativen Umständen. Sobald ich das feststelle, leuchten bei mir alle Alarmglocken!

Dann fokussiere ich mich wieder ganz bewusst auf mein Sein, ignoriere meine Gefühle dabei (wenn ich darauf warte, bis sie mir mein Sein bestätigen, kann ich ewig warten. So viel Zeit habe ich nicht.) und manchmal spreche ich laut aus, wer ich bin (aber nur, wenn keiner es hören kann). Und früher oder später „spüre“ ich mich wieder.

Manche bezeichnen diesen als „mit sich selbst im Einklang sein“ oder „in Balance sein“-

LIEBE.
WÜRDE.
GRÖßE.
SCHÖNHEIT.
STÄRKE.

Das ist, wer ich bin.

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