Into the blue

In Rom konnten wir einen schönes Ritual beobachten: um die frühen Abendstunden setzen sich die Italiener zu zweit, dritt und teils alleine in ein Cafe und bestellten einen l’Aperitivo. Dieser bestand aus einem Glas kühlen Getränk und 2-3 winzig kleinen Schälchen, die mit würzigen Leckereien gefüllt wurden, einige Nüsse, ein paar Oliven, eine Handvoll Chips. Diese Art, den Feierabend einzuläuten, wird dort regelrecht zelebriert. Ein Gefühl der Lebensfreude und Leichtigkeit.

Denn wenn es ein Lebensgefühl gibt, dass ich ganz und gar verkörpere, dann ist es Unbeschwertheit. Ich bin leicht, leicht, leicht – und wenn ich mal nicht leicht bin, dann schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken, und zwar so ohrenbetäubend laut wie Sirenen bei einem akuten Notfall. Wenn ich nicht unbeschwert bin, fehlt mir der Schwung, die ganz normale alltägliche Begeisterung für alles und jeden, und diese extreme Lebensfreude, die irgendwie alles überflutet, was mit mir in Berührung kommt.

Und wenn einer diesen Weg schon mal gegangen ist, muss man nicht das Rad neu erfinden, und kann ihm einfach stur nachlaufen. Denn da wo ich bin, da ist es schön und unbeschwert und stark und einfach immer gut.

Unbeschwert = unbeeindruckt.

Mein Unbeschwert-Sein hat einen ganz einfachen Grund:
mich beeindruckt der Zirkus der Umstände, das Drama der 198-teiligen Soap der Herausforderungen (das Drehbuch jeweils auf deine Gefühls- und Gedankenwelt perfekt passend zugeschnitten, kann man nicht meckern!), und die Hüpfburg der Emotionen (himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt, je nach Lage der Nation.) nur so semi. Und von Tag zu Tag wird es weniger beeindruckend, ich bin manchmal selbst ein bisschen erstaunt deswegen. Und falls du jetzt denkst, dass ich nun gleichgültig oder apathisch bin: weit gefehlt.

Ich bin einfach nur zielgerichtet und trotzdem nicht verbissen. Unnachgiebig, aber nicht hart. Fokussiert, aber mit so einem unglaublichen Spaß an der Sache, dass es fast schon ein bisschen unverschämt ist.

Ich habe bereits vor einigen Jahren entschieden, was für mich „normal“ ist – also mein Daily Mood, das alltägliche Wohlbefinden. Das, wie ich mich ohne groß nachzudenken, fühle. Und zwar mal ungeachtet der Umstände, der eigenen Erfahrungen und der momentanen Tagessituation. Sogar ungeachtet der momentanen körperlichen Verfassung. Mein Standard heißt, normalerweise bin ich glücklich (kann mich keiner daran hindern, richtig?). Unbeschwert. Stark ohne Ende, aber nicht unnahbar.

Der springende Punkt ist, wenn du das nicht festlegst, dann wird es von Außen für dich festgelegt. Entweder – oder es gibt nichts dazwischen. Umstände, Erfahrungen, eigene Prägung, andere Menschen, dein Daily Input (Filme, Serien, Bücher, Blogs, was auch immer du dir reinziehst) – sie alle werden kräftig mithelfen, deine Laune zu bestimmen. Also das ist mir alles zu unsicher, mal hü mal hott, mal auf mal ab, Gefühls-EKG rauf und runter, irgendwann ist man ein fertiger Emotions-Junkie, ain’t nobody got time for that. Dafür bin ich mir selbst zu kostbar, mein Leben zu schön, und meine Verantwortung zu groß.

Und genau aus diesem Grund lege ich das von vornherein wie eine Richtschnur fest – und mache grundsätzlich erstmal eine Ansage und zwar bevor mir die Gefühle oder Umstände das bestätigen oder eben nicht. Sollten dann Schwierigkeiten auftauchen, die mir das Gegenteil vermitteln wollen (was selbstverständlich oft genug passiert), hebe ich das Ganze gerne noch zusätzlich um eine Stufe nach oben an. Einfach so, weil ich´s kann.

Wenn man das nicht tut, dann ist man immer nur am Reagieren: auf Situationen, auf Vibes, auf Umstände, auf andere Menschen. Deine Gefühle sind wie ein kleiner Welpe, der – wenn er nicht erzogen wird – einfach jedem Leckerli und jeder Ablenkung nachrennt, die ihm so angeboten wird, ganz ohne Orientierung und Sinn. Kein Wunder, ist so oft Chaos in deinem Kopf! Und genau deswegen musst du den Welpen führen: ganz liebevoll, sehr geduldig, aber konsequent. Du kannst also ruhig zugeben: „Heute geht’s mir nicht gut.“ – aber bleibe nicht dort stehen. Lass den Welpen nicht auf jedes Angebot reagieren, sondern übernehme mal die Leitung.

Deshalb lasse ich mich auch nach einem stressigen Tag auch immer wieder auf die schönen Dinge des Lebens ein. Nach etlichen stressigen Tagen auf neuen Baustellen habe ich mir endlich mal wieder ein paar schöne Stunden gegönnt. Ich hatte nach zwei langen Besprechungen noch Zeit, bzw. habe ich sie mir genommen, und bin in Konstanz bummeln und auch ein wenig shoppen gewesen, das kann man dort nämlich wirklich gut. Einfach mal ein wenig treiben lassen, schauen, quatschen. Ich treffe dort oft auch einen guten Freund und kaufe in seinem Laden ein. Es ist schön, wenn man mit alten Freunden einfach mal über ganz andere Dinge plaudern und wieder einen ganz anderen Blick auf die Dinge bekommt, die einen Selbst gerade bewegen. Schon ist man ein paar Sneaker und eine fette Umarmung und einen Knutscher reicher. Das tut einfach nur gut und ist Gold wert. Danke

Denn manchmal legt sich Ballast auf einen wie eine schwere Decke und raubt einem die Lebensfreude – für eine kurze Zeit, manchmal für einen Tag, manchmal sogar fast ein Leben lang. Ich garantiere dir, 90% der Dinge, die dich belasten, kommen überhaupt nicht von dir, gehören nicht zu deiner Persönlichkeit und haben überhaupt nichts mit dir zu tun.

Ballast fliegt wie Unkrautsamen in der Gegend, und genauso musst du ihn auch jäten. Falls du gärtnern nicht magst, kannst du auch ungebetene Gäste im hohen Bogen von deiner Party schmeißen. Egal, wie du es machst – der Ballast muss weg! Wie willst du sonst schweben? Ich tue das übrigens regelmäßig und regelmäßig heißt täglich oder mehrmals am Tag. Das ist für mich so normal wie Zähne putzen und macht sogar Spaß.

Wenn Schwierigkeiten auftauchen, ist es – je nach jeweiliger Situation – erstmal sehr unangenehm, ist ja klar! Ich jedoch sehe das Ganze sportlich. Während die Meisten noch jammern, „Ja, was denn noch alles?“ und „Immer passiert mir das.“, werde ich überhaupt erst warm! Innerlich bin ich wie so ein durchtrainiertes Fitnessmodel, diesem reichen auch nicht 2 Squads am Tag, richtig? Der braucht irgendwelche Gewichte für sein Work-Out, und 30 Push-Ups, und was weiß ich noch alles – jedenfalls braucht er eine Challenge, damit es ihm richtig Spaß macht, und überhaupt etwas bringt. Und genau so ist es in etwa bei mir, wenn hier Widerstände auftauchen, dann ist es bei mir so ein Mix aus einer „Jetzt erst recht!“- Haltung und einem erstaunten „Echt jetzt, Teufel? Mit mir? Na, du traust dich was!“ – Schmunzeln. Und dann krempele ich innerlich die Ärmel hoch, weigere mich, zu kämpfen, und bleibe unbeeindruckt. Oder ich sage meinen Gedanken: „Wir bleiben unbeeindruckt, habt ihr mitbekommen?“ Und dann informiere ich meine Gefühle, dass wir unbeeindruckt bleiben. Nur, damit jeder Bescheid weiß und keiner panisch durchdreht aus Mangel aus Informationen.

Wir alle schauen zu bekannten, inspirierenden Persönlichkeiten auf, und bewundern sie für ihren Erfolg. Die Wahrheit lautet aber, nur auf einem stabilen Fundament kann man ein großes Haus errichten – und der Fundamentbau ist selten glamourös, aufregend oder spektakulär.

Die ersten Schritte eines jeden exzellenten Tänzers sehen ungelenk aus, die ersten Töne großer Musiker klingen schief und keiner sieht die unzähligen Stunden der Übung, der Rückschläge, der Tränen, der Anstrengungen und des Investments von Zeit, Kraft und Geld. Irgendwann zahlt sich das Investment allerdings aus – und alle bewundern einen für das Talent, ohne die Möglichkeit, hinter die (anstrengenden) Kulissen schauen zu können.

Bestärke dich selbst und auch deine Kinder und Freunde also immer wieder in den unspektakulären Dingen, die ein Fundament für ihre Zukunft bauen. Jede Entscheidung gegen Entmutigung bei Rückschlägen macht selbstbewusster. Jede Entscheidung für Anpacken statt Aufgeben stärkt die Persönlichkeit. Jede Entscheidung fürs Sich Trauen, Dranbleiben und Durchziehen ist eines Lobes wert. Jede Entscheidung für’s Motiviert Bleiben trotz nur kleiner Fortschritte ist großartig.

Ich weiß nicht, wie oft ich den Satz gesagt habe: „Sei froh, wenn dich gerade keiner bestätigt, dir keiner Beifall klatscht, und dich alle bejubeln, bei dem, was du tust. Das, was du gerade lernst, ist die schönste, gesündeste Grundlage für deine gesamte Zukunft. Herzlichen Glückwunsch hierzu.“ Und ich meinte es auch so.

Ich habe einfach so ein bombenfestes Vertrauen, dass die Liebe weit, weit über mein Bemühen und mein Können und Entscheiden und Überwinden und Schaffen hinaus alles für mich perfekt regelt, dass es kracht. Ist mir egal, wie genau und wann endlich und was am Ende dabei rauskommt – es wird einfach perfekt.

Die Sache mit der Liebe ist einfach noch viel, viel schöner, als jeder von uns (inklusive mir selbst) sich das jemals ausmalen könnte. Sie ist ein Tornado, der alles Schlechte wegfegt, und alles Negative unter sich begräbt. Einerseits zart und weich, voller Wertschätzung und Respekt, und gleichzeitig tief und unendlich mächtig. Sie kennt keine Angst, keine Zweifel, keine Probleme. Sie ist Größe und Schönheit und Würde und Stärke und Glück.

Ich bin nur so leichtfüßig, weil ich durch sie in allem überlegen bin. Ich bin so unbeschwert, weil sie mein Sein ist, jeder meiner Atemzüge, mein Herzschlag und das Blut, das in meinen Adern fließt, ist. Ich bin so kindlich, so unkompliziert, so vergnügt und so verspielt, weil ich mich absolut auf sie verlasse. Mit der Liebe kann mir einfach nie was Schlimmes passieren – da bin ich ganz sicher.

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