#staytuned_2

Selbstbewusstsein. Lange Jahre lief ich ohne es durch mein Leben. Wo es war? Im Keller, ungefähr vier Stockwerke unter der Erde. Ich musste es zurückholen, mühsam, Treppenstufe für Treppenstufe. Klar bin ich dabei oft abgerutscht, wieder ein Stück nach unten. Mal eine Stufe, mal eine ganze Etage. Dann schlug die Selbstverurteilung zurück, zwei Haken Selbsthass ins Gesicht, drei Stöße Verzweiflung in den Magen.

Inzwischen sieht’s schon deutlich besser aus. Noch immer steigen hier und dort Zweifel in mir auf, unangenehm wie plötzliche Luftblasen in einem öffentlichen Wasserbecken („Oh, ich dachte, hier gibt’s gar keinen Sprudel“). Aber ich traue mir auch immer mehr zu. Gehe raus. Stehe für mich ein. Lebe das Leben, so wie ich es mir vorstelle und wünsche. Ich lasse mich von den alltäglichen Dingen immer mal wieder durcheinanderwirbeln – aber genau das macht es auch immer wieder so spannend.

Im Augenblick lebe ich mehr in Hotels oder sonstwo, als in meiner eigenen Wohnung. Eigentlich könnte ich sie schon jetzt fast ganz aufgeben, aber noch bin ich dabei mich leicht zu machen, die Dinge, die ich nicht mehr nutze auszusortieren und es neu zu ordnen. Man sammelt im Laufe der Jahre eine ganze Menge Kram an und oft nur für das Gefühl, dass man es einfach hat. Brauchen tut man es nicht wirklich – zumindest nicht den größten Teil. Ich nutze die Chance für diesen Neubeginn und lasse einfach mal los – also bis auf die ca. tausend Bücher. Wie für alle Dinge in meinem Leben heißt es auch hier dranbleiben und weitermachen.

Neben den Dingen schaue ich auch bei den Menschen und Werten genau hin, was mir wirklich wichtig ist und weiterhin einen Platz in meinem Leben verdient hat. Auch da trennt sich die Spreu vom Weizen und es zeigt sich ganz klar, wer einen Platz in meinem Herzen hat und wer nicht. Ich liebe die Menschen in meinem Leben und ich bin dankbar, dass sie ein Teil von mir sind und auch in meinem Leben diesen besonderen Platz eingenommen haben. Ich liebe so aus ganzem Herzen und ich bin so voll Liebe und ich bin dankbar dafür. Besonders wertvoll ist es diesen wunderbaren Mann in meinem Leben zu haben und zu wissen, dass ich etwas ganz Besonderes für ihn bin. Schon morgens zu wissen, wenn er mit dem Klingeln des Weckers neben mir aufwacht, dass er da ist und mich einfach nochmal in den Arm nimmt und mit mir kuschelt, macht den Tag gut. Es fühlt sich einfach gut an und ich laufe nicht vor meinen Gefühlen davon. Für mich war das der wichtigste Schritt. Anhalten. Innehalten. Aushalten, was da ist an Ängsten, an Traurigkeit, an Wut und die guten, positiven und wunderschönen Gefühle zulassen. Mich nicht weiter ablenken mit irgendwelchen banalen Dingen oder Menschen. Sondern mich kümmern und sehen: Kein Gefühl der Welt kann mich umbringen. Ich bin stärker, als ich denke.

Ich verstecke mich nicht in meiner Komfortzone. Ich liebe Herausforderungen und unmöglich scheinende Dinge. Nichts reizt mich mehr. Egal wie oft ich ein Nein bekomme, irgendwann kommt das Ja. Das ist auch das Spannende in meinem Job und auf den Baustellen oder in den neuen Projekten vor Ort. Sich der Herausforderung stellen, sie annehmen und ausfechten – ich liebe das. Immer wieder mal Ausruhen, sicher, das gehört dazu und darf natürlich auch sein. Aber auf Dauer schrumpft alles, was nicht wächst. Dann werden wir kleiner und kleiner. Ein Miniatur unserer Möglichkeiten. Die Komfortzone ist der Friedhof der Träume. Auch selbstbewusste Menschen haben Angst. Aber sie lassen sich von ihr nicht einsperren wie Überraschungs-Eier-Zwerge, die immer mehr in der Vitrine einstauben. Nein, sie tun, was getan werden muss.

Ich suche nicht ständig nach Ausreden. Verarsche weder dich noch andere mit billigen Schuldzuschreibungen. Ich schiebe die Schuld nicht auf andere Menschen, ich stehe zu dem was ich tue und ich kämpfe für mich, meine Liebe und meine Ziele. Gebe die Schuld nicht dem Wetter, dem Verkehr, der knappen Zeit, dem lieben oder bösen Gott, der Erziehung, dem Gegenüber oder dem schlechten Feng Shui, ja, ja, da liegt ne Wasserader quer, aber wir sind trotzdem keine Opfer. Selbstbewusste Menschen übernehmen Verantwortung. Erinnern sich daran, dass sie sich verbessern und das allermeiste lernen können. Und entschuldigen sich aufrichtig, wenn sie einen Fehler gemacht haben.

Ich verwechsele Selbstbewusstsein nicht mit Arroganz. Selbstbewusstsein heißt nicht, dass man der Allergeilste ist, dem ganze Sonnensysteme aus dem Arsch scheinen und einem ständig alles gelingt. Selbstbewusst ist, wer weiß, dass er immer damit fertig wird, wenn mal wieder etwas nicht oder nicht gleich gelingt. Er ist grundsätzlich mit sich im Reinen, akzeptiert sich und hat somit keinen Grund, sich über andere zu stellen, sie zu verurteilen oder schlecht zu behandeln. Im Gegenteil, ich bin großzügig und ich helfe jedem, auch wenn er mich noch so schlecht behandelt. Das ist die Kleingeistigkeit derer, die nicht aus ihrer eigenen kleinen Haut können. Das nehme ich nicht persönlich, warum auch?

Ich beschäftige sich nicht zwanghaft mit der Meinung und dem Leben anderer. Irgendwer wird immer etwas an uns auszusetzen haben. Und irgendwer immer mehr haben als wir. Mehr Geld, mehr Applaus, die schönere Haupt- oder Achselhaarfrisur oder Joop-Bettwäsche und Kissen und diesen ganzen Schnickschnack, den ich nicht wirklich schön finde. Dagegen können wir nichts tun. Müssen wir auch nicht. Denn was wir haben macht nicht aus, was wir sind. Stattdessen können wir unsere Gedanken stets wieder auf das zu lenken, was wirklich zählt: Wir. Hier. Jetzt. Und unser Weg. Der beste Vergleich ist der mit uns selbst: Haben wir uns weiterentwickelt, sind wir weiter als vor ein paar Jahren? Ein bisschen gelassener, ein bisschen weniger hart im Urteil, ein bisschen liebevoller?

Ich gebe nicht zu früh auf. Wolken am Himmel. Nebel, in dem man gar nichts mehr sieht. Blitze, die einen erstarren lassen. Die Sonne, die sich so lange nicht zeigt, dass wir uns vor ewiger Dunkelheit in unserem Leben fürchten. All das gehört dazu, ist Teil der Strecke, die wir zurücklegen müssen auf dem Weg zu unseren Zielen und Träumen. Die schweren Zeiten, das Hinfallen und Aufstehen und Weitermachen, das nächste Mal mit mehr Erfahrung. Selbstbewusste Menschen verlieren sich nicht im Problem, sie konzentrieren sich auf die Lösung.

Ich brauche nicht unentwegt die Bestätigung von außen. Gepinselte Bäuche, honigbeschmierte Münder, gehaltene Hände, geworfene Schlüpfer. Ich wünsche mir das, gern mehrmals täglich. Doch inzwischen lerne ich nach und nach: Ich muss mich selbst darum kümmern, dass es mir gut geht, dass ich zufrieden bin mit mir, neuen Mut schöpfe. Kommen diese Dinge nicht aus mir, von innen, bleibt mein Selbstbewusstsein ein Sieb. Löchrig. Und schneller wieder leer als das Schnapsglas eines Alkoholkranken.

Ich verschiebe die wichtigen Dinge nicht auf nächste Woche. Gewartet habe ich schon auf Vieles. Auf manches aber besonders lang. Eigentlich sollte es „nächste Woche“ losgehen. Daraus wurden dann hunderte Wochen. Mehrere Jahre. Die dicke, fette Angst war mir im Weg. Genährt hatte ich sie jedoch selbst. Mit dem Gedanken, alles müsse gleich perfekt sein, von Anfang an, ich dürfe mir auf gar keinen Fall einen Fehler erlauben. Natürlich ist das Quatsch. Der kleinste, vorsichtigste Schritt heute ist besser als der stärkste Sprint morgen, den wir dann doch nicht machen. Handeln stärkt uns und unser Selbstbewusstsein.

Ich verbiege mich nicht. Selbstbewusste Menschen können sich selbst bewusst zurückstellen. Mal, aber nicht immer und nicht auf Dauer. Sonst, das wissen sie, verbiegen sie sich immer mehr, werden zu menschlichen Spirellis (die von der geschmacksneutralen Sorte). Wenn wir uns selbst verlieren, ist alles verloren. Deshalb können wir’s nicht allen recht machen. Streit nicht immer vermeiden. Fremde Erwartungen nicht immer erfüllen. Sie wollen nicht um jeden Preis beliebt sein, sondern echt. Dazu horchen sie ein ums andere Mal nach innen: Was ist stimmig für mich? Was tut mir wirklich gut?

Ich bleibe jetzt dran und ich gehe meinen Weg. Die Dinge finden ihren Weg zu mir und ich lasse mich darauf ein. Vielleicht kommen sie gerade aus einer anderen Richtung, als ich mir das gerade gedacht habe, aber sie sind wunderbar und ich fühle mich einfach nur gut damit.

Du kannst das auch. Hab Spaß, bleib dran und genieße deinen Weg. Hab dich lieb.

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