Aus dem Herzen

Wenn das Ziel nur erstrebenswert genug scheint, fällt es uns oft verhältnismäßig leicht, uns einen Ruck zu geben. Kampfparolen gehen uns leicht über die Lippen. Sie werden uns von Vorgesetzten entgegen gerufen, nachdem die sie auf ihrem Führungskräfteseminar auswendig gelernt haben. Sie werden uns von den Titelseiten diverser Selbstoptimierungs-Ratgeber oder von den Bühnen großer Motivations-Coaches entgegengebrüllt. Manchmal flüstern sie uns auch Familienmitglieder, Freunde oder der Partner liebevoll ins Ohr. Und wenn alles nichts hilft, dann gibt es immer noch unseren eigenen inneren Antreiber, der uns wie ein Drill-Instructor „Lauf, Schwabbel, lauf“ ins Gesicht schreit. All diese Stimmen – geschrien oder liebevoll geflüstert – können uns den notwendigen Schubs geben, damit wir loslaufen und den ersten Schritt machen hin zum großen Ziel. Doch oft geht uns trotzdem schon bald wieder die Puste aus. Der Tank ist leer, unser innerer Motor röchelt und stottert. Nach einer Weile bleiben wir stehen.

Es ist ein Trauerspiel. Obwohl wir unzählige Selbsthilferatgeber inhaliert, den Badezimmerspiegel mit motivierenden Sprüchen tapeziert und eine Armada Motivations-Coaches in Youtube-Videos uns inspiriert haben, ist der Ofen plötzlich aus. Wir halten auf freier Strecke und fühlen uns hilflos, weil alles irgendwie nichts nützt. Doch dabei übersehen wir oft das Allerwichtigste: uns selbst. All die Motivationssprüche, das Anfeuern und das gute Zureden sind nämlich letztendlich nur wie der Versuch, ein Auto von außen anzuschieben. Die Räder drehen sich, doch es fehlt jemand im Inneren, der den Motor zum Leben erweckt. Wenn uns im Inneren nichts wirklich antreibt, mögen wir uns zwar von der Stelle bewegen, doch unser volles Potenzial können wir auf diese Art wahrscheinlich kaum entfalten.

Es reicht nicht aus, nur ein vermeintlich erstrebenswertes Ziel vor Augen zu haben. Selbst dann, wenn wir etwas für ein gutes Ziel halten, bringen wir nicht immer die Motivation und die Ausdauer auf, es auch zu erreichen. Studien belegen, dass selbst das Risiko des eigenen Todes nur die wenigsten zum Handeln motivieren konnte. Das Wissen darum, dass ein Ziel wirklich erstrebenswert ist, reicht also nicht zwangsläufig aus, damit wir auch die Ausdauer aufbringen, es wirklich zu erreichen. Selbst wenn die Motivation anfangs noch so groß ist. Was in diesem Fall fehlt, ist schlicht ein guter Grund, warum wir dieses Ziel erreichen wollen – eine tiefe Intention.

Eine Intention ist etwas, das über den Verstand hinausreicht, das vielleicht sogar größer ist als wir selbst. Sie geht mit verschiedenen „Symptomen“ einher, eines davon ist Begeisterung. Forscher an der Universität Göttingen fanden heraus, dass es nur im Zustand echter Begeisterung zu einer Aktivierung des Belohnungssystems im Mittelhirn kommt. Das wiederum ist die Bedingung dafür, dass sich die Bereitschaft für Höchstleistungen überhaupt erst einstellt. Wenn wir also von etwas nicht so fest überzeugt sind, dass sich echte Begeisterung einstellt und unser Herz mit an Bord ist, wird es immer unwahrscheinlicher, dass unsere Motivation ausreicht, um das Ziel zu erreichen.

Beispiele für diesen Effekt finden wir beinahe überall, wenn wir danach suchen. Warum reißen die Menschen Apple die teuren iPhones förmlich aus den Händen, während Nokia den Laden inzwischen dicht machen kann (und das, obwohl die Nokia-Handys uns den Spielekracher „Snake“ beschert haben)? „Menschen kaufen nicht, was man herstellt; sie kaufen, warum man etwas herstellt“, sagt Ted-Talker Simon Sinek, der auch Autor des Buches „Start with why“ ist. Wenn zwei motiviert sind, gewinnt derjenige, der inspiriert ist, so Sinek. Wer also für seine Sache brennt, kann nicht nur sich selbst besser anfeuern, sondern er hat auch die Kraft, andere zu entflammen.

Vielleicht ist aber das Beste an der Sache, dass es Dir, sobald Du weißt, warum Du etwas wirklich tust, gar nicht mehr so wichtig ist, irgendein fernes Ziel zu erreichen. Denn dann erfüllt es dich bereits, dich auf dem Weg zu befinden. Der Rapper, Coach und Buddhist Curse teilt in seinem Podcast „Meditation, Coaching & Life“ eine Geschichte, die ihm sein buddhistischer Lehrer einmal erzählt hat.

Dieser hatte schon immer eine Neigung zur Musik, verbrachte seine Jugend aber in einem buddhistischen Kloster, in dem nur bestimmte Instrumente erlaubt waren. Es waren genau die Instrumente, die ihn nicht interessierten. Also machte er heimlich mit den „nicht-religiösen“ Instrumenten Musik – bis seine Machenschaften eines Tages entdeckt wurden. Der Eintrag ins buddhistische Klassenbuch blieb aber glücklicherweise aus, der Lehrer hatte Verständnis. Nicht die Instrumente selbst machten nämlich die Musik heilig, sagte er, sondern die innere Motivation, mit der sie gespielt würden. Wenn wir etwas mit vollem Herzen tun, dann ist das an sich bereits eine Art „heiliger Akt“, dann kann etwas „Magisches“ entstehen. Oder etwas profaner ausgedrückt: Dann sind wir richtig gut. Dann stellt sich auch viel eher das Gefühl ein, sich auf dem „richtigen Weg“ zu befinden.

Die Dinge, die wir wirklich von Herzen erreichen wollen, sind schon längst in uns. Wir denken sie uns nicht aus, wir planen sie nicht. Und es ist unerheblich, ob uns das Universum vermeintlich dafür eigens auserwählt hat (vermutlich nicht) oder ob wir etwas einfach nur so, so gerne wollen. Dann ist nur noch wichtig, dass wir losgehen. Das können wir guten Gewissens tun, denn die Erfolgsaussichten sind ja erwiesenermaßen bereits viel höher. Wir müssen nur wissen, warum.

„Wer ein Warum hat, kann fast jedes Wie ertragen“, sagte Friedrich Nietzsche. Möglicherweise müssen wir aber auch im Gesamten viel weniger ertragen, wenn unser Warum uns trägt.

Egal wo wir hin wollen – wir müssen uns dafür bewegen und sobald wir in Bewegung sind, bewegen sich alle anderen. Doch gerade jetzt, in diesen Wochen, in diesem Jahr, hat die Welt mal die Pause Taste gedrückt. So vieles ist passiert in den letzten Wochen, woran sich die meisten auch noch in Jahren erinnern werden.

Und doch hatte jeder die Wahl: Für sich selbst Pause zu drücken oder die Play-Taste. Sitzen zu bleiben oder aufzustehen!

Aufzustehen in einer Zeit, in der viele in der Schockstarre waren.
Aufzustehen in einer Zeit, in der viele gelähmt waren und sind.
Aufzustehen in einer Zeit, in der sich so viele zurückgelehnt hatten.

Take a stand! Für dich. Für andere. Für uns! Ich bin nicht sitzen geblieben. Ich habe weitergelebt. Habe weiter gelernt. Habe mein Leben weiter ausgebaut. Habe meinen Teil beigetragen. Du hast auch die Wahl. Sitzen zu bleiben oder aufzustehen. Und zwar immer wieder. Jeden Tag auf’s Neue.

So unwirklich die Zeiten auch manchmal schienen – ich habe es gerockt und ich bin dankbar für diese Erfahrung. Sie hat mich wachsen lassen und mir tolle, neue Dinge und Menschen gezeigt. Ich habe mein Vertrauen in die Dinge wiedergefunden und ich vertraue auf mich und meine Stärke. Es ist ein wunderbares Projekt in mein Leben gekommen und ich lebe jetzt an einem wunderbaren Ort. Ich habe den See direkt vor meiner Haustür.

Komm in deine Größe. Komm in dein Potenzial. Spür die unendliche Kraft in dir. Diese Stimme in dir. Die da ist. Schon immer da war. Sie ist dein Potenzial! Steh auf für sie. Für dich und lebe! Wenn du dies liest, dann weil du jemand bist, der die Welt verändern will, jemand, mit großen Visionen und großen Zielen, jemand, der etwas bewegen will, ein Movement. Jemand, der Spuren hinterlassen will. Jemand, der alles will. Aber manchmal fühlt sich das auch schwer an, anstrengend. Du machst, was zu tun ist, du siehst deine Erfolge … aber du spürst, da wartet noch mehr auf dich.

Was ich mit Sicherheit weiß ist, dass du alles erreichst, wenn du bereit bist den Weg zu gehen und dich darauf einzulassen. Egal ob du ein bestimmtes Plateau in deinem Business erreicht hast, oder dir deine Arbeit nicht mehr die Erfüllung bringt wie früher, vielleicht bist du irgendwie gelangweilt, hast das Gefühl, die Energie ist grad nicht da, vielleicht läuft es im Moment nicht so einfach oder mit der Motivation. Der Grund ist meistens, weil’s noch was für dich zu tun gibt.

Aber die echte Veränderung, den wirklich großen Sprung, mache ich immer wieder dann, wenn ich nach innen schaue. Die Momente, an denen ich bemerkt habe, dass ich eher versucht habe, zu sein wie jemand anderer, anstatt ich selbst, als ich Zielen nachgelaufen bin, weil ich dachte, sie gäben mir quasi die „Berechtigung“ zur nächsten Stufe … das waren jeweils die Momente, wo ich beschlossen hatte, etwas anderes zu tun.

Jeder große Moment. Jedes neue Kapitel fängt an mit einer starken, bewussten Entscheidung. Wann immer wir ein neues Kapitel aufschlagen (und gerade jetzt fängt ein verdammt großes an), haben wir die Chance, es genau so zu gestalten, wie wir es wollen.

Und zwar von dir selbst, aus dem Wunsch heraus die eigene Vision wahr zu machen. Lass dich drauf ein und zieh es durch. Nur, wenn du dir dafür den Arsch aufreißt, jeden Tag aufs Neue – egal wie viele Steine sich auch in deinen Weg legen – wirst du ankommen. Dazu gehört der unbedingte Glaube an dich selbst und dein Ziel.

Der Wunsch, dass wirklich jeder ausnahmslos versteht, dass wir ohnehin jeden Tag, alles Große, Kleine, Besch*** und Unnötige selbst manifestieren. Und dass wir, wenn wir es mit Intention und bewusst machen, so viel mehr Kontrolle und Verantwortung übernehmen, für dieses eine Leben.

Es ist, um dir zu zeigen, wie viel Potenzial du hast.
Es ist, um dir zu zeigen, wie viel Kraft du hast.
Es ist, um dir zu zeigen, wie deine wahren Träume und Ziele aussehen.
Es ist, um dir zu zeigen, dass du jedes Kapitel komplett neu gestalten kannst.

Weil du eben ALLES sein, haben und tun kannst. Ich glaub an dich.

Same procedure

Ich bin – wie vermutlich viele andere auch – mit einer bestimmten Silvester-Tradition aufgewachsen. Am Nachmittag versammelte sich die ganze Familie vor dem Fernseher, um „Dinner for One“ zu schauen. Bis heute kann ich mich köstlich darüber amüsieren, wie Butler James immer wieder über den Kopf eines Tigerfells stolpert, das genau auf seinem Weg zwischen der Anrichte und dem Tisch liegt. Man muss dem alten Butler zwar anrechnen, dass er am Ende ziemlich betrunken ist. Aber trotzdem, mal ehrlich: Warum kriegt er es nicht gebacken, diesem Tigerschädel auszuweichen – wenigstens beim dritten Mal?

Wenn ich auf mein Leben schaue, fallen mir auch einige Stolpersteine ein, über die ich wieder und wieder gefallen bin: einige Kater vom guten Wein, verkappte Traumprinzen, die letztlich doch nur Mistkröten waren. Freundinnen, denen ich mein Herz ausschüttete und die letztendlich drauf herumtraten. Warum werde ich in meinem Leben eigentlich immer wieder mit demselben Mist konfrontiert?

Deswegen setzt uns das Leben immer wieder die gleichen Probleme vor die Nase. Eigentlich mögen wir ja Wiederholungen, Traditionen und Rituale. Ich bin da keine Ausnahme und ich liebe meine Rituale und Routinen. Man kann sich auf sie verlassen, sie geben uns Halt, hüllen uns in Geborgenheit. Jedes Jahr im Dezember ist Weihnachten, an unserem Geburtstag gibt es Geschenke, nach sieben Tagen kommt der nächste Freitag. Jeden Morgen starte ich mit denselben Dingen und Abläufen in den Tag und das gibt mir Kraft. Nach dem Aufstehen nehme ich mir Zeit, ordne meine Gedanken und bereite mich auf den Tag vor. Wahrend mein Tee zieht prüfe ich meine Liste für den Tag, was sind die Prioritäten und was fehlt noch, anschließend gehe ich duschen, mache mich fertig und fahre auf die Baustelle oder ins Büro. Während der ersten Tasse Tee bin ich mit mir und dem beginnenden Tag allein, da ist noch kein Stress und ich genieße meine Zeit einfach.

Zum Problem wird es nur, wenn unser Leben zu stark in Routinen abläuft oder anders ausgedrückt: wenn der Autopilot dauerhaft am Steuer sitzt … und in die falsche Richtung fährt. Zwar navigiert uns der Autopilot sicher durch unseren Alltag, doch er fährt immer nur auf der Straße, die er bereits kennt. Und die ist oft genug gepflastert mit Problemen, schlechten Angewohnheiten und einer bunten Auswahl negativer Gedankenspiralen.

Die Lösung scheint ganz naheliegend: Den Autopiloten ausschalten. Doch das ist gar nicht so einfach. Dass wir das Steuer aus der Hand gegeben haben, ist uns schließlich oft gar nicht bewusst. Dann laufen – bzw. fahren – wir den immer selben Zielen hinterher, die uns doch nicht glücklicher machen werden. Und die alten uns nur zu gut bekannten Probleme tauchen dann wieder und wieder am Fenster auf. Darum geben wir die Kontrolle ab, dass wir uns vom Autopiloten durch unser Leben kutschieren lassen, entscheiden wir selten bewusst und unter der Haube spielen sich oft noch weitere Dinge ab, die uns vom beherzten Griff ans Steuer abhalten.

Wir hängen an unserer vermeintlichen Identität. Irgendwann im Laufe unseres Erwachsenwerdens formen wir uns in der Regel eine Identität, ein Selbstbild. Wir glauben, dieses Selbstbild sei das, was uns nun mal ausmacht und wir hängen daran. Denn selten hinterfragen wir unser Selbstbild in allen Einzelheiten, stellen jede unserer vermeintlichen Eigenschaften auf den Prüfstand. Wir schleppen etwa negative Glaubenssätze mit uns herum, die wir vielleicht schon in frühester Kindheit ungefragt übernommen haben und glauben wir wären „nun mal so“. Das stimmt auch – zumindest, solange wir nichts verändern.

Wir wollen uns schützen. „Gebranntes Kind scheut das Feuer“ heißt es und fast jeder von uns hat sich einmal die Finger an etwas verbrannt. Oft glauben wir unterbewusst, uns vor solchen Erfahrungen schützen zu können, wenn wir uns auf nichts mehr einlassen. Lieber keine Liebe, als verletzt werden. Lieber keine Beförderung, bevor wir uns noch blamieren. Lieber keine Freundschaft, bevor unser Vertrauen missbraucht wird. Lieber misstrauisch bleiben, statt enttäuscht zu werden. Lieber keinen Sex, statt ungewollt schwanger zu werden. Ja, das ist schon ein Erlebnis, wenn man das feststellt, besonders, wenn der Typ sich nie wieder meldet. Diese vermeintliche Sicherheit beraubt uns jedoch gleichzeitig der Chance auf eine positive Erfahrung.

Neue Wege machen uns Angst. Ganz tief in uns drin wissen wir meist, wohin wir im Leben wollen. Da ist eine leise Stimme, die uns ins Ohr flüstert oder ein „Bauchgefühl“. Wir wollen nur manchmal nicht hinhören. Weil das unbequem ist, weil wir Gegenwind von anderen befürchten oder weil wir uns nicht zutrauen, dass wir es schaffen können. Unbewusst sind uns dann die alten, aber immerhin vertrauten Probleme, manchmal lieber. Lieber lassen wir uns erneut auf eine Beziehung ein, obwohl wir genau wissen, dass wir sie wieder vor die Wand fahren werden, nur weil es so vertraut ist – außerdem ist man nicht allein.

Der Weg zu dem, was uns glücklich macht, ist selten ganz leicht, denn er führt meistens direkt aus unserer Komfortzone heraus. Dass stresst uns und macht Angst. Die Natur hat es aber so eingerichtet, dass wir in einer stressigen Situation Energie frei setzen. Unser Puls erhöht sich, der Blick schärft sich, unser Kopf fokussiert sich – im besten Fall auf das Ziel, das wir uns selbst ausgesucht haben. Das fordert Kraft und oft müssen wir über mehr als nur unseren eigenen Schatten springen. Aber nur so erkennen wir auch, wozu wir wirklich fähig sind.

Mit dem Steuer in der Hand weg von den wiederkehrenden Problemen. Mit einem Knopfdruck ist der Autopilot nicht auszuschalten. Doch möglich ist es zum Glück immer.

Das Ziel wählen. Wer die Richtung ändern will, der muss sich zuerst darüber klar werden, wo es hingehen soll. Oft schlummert die Antwort bereits in uns. Unsere tiefsten Wünsche zeigen sich manchmal nur in einem komischen Bauchgefühl, einer Spinnerei, einem Tagtraum und wir tun diese Signale als belanglos ab. Dafür haben wir ja auch oft „gute Gründe“ (zu teuer, zu schwer, zu …). Wenn wir unserem Leben eine neue Richtung geben wollen, weg von den immer selben Problemen, können aber gerade diese beiläufigen Gedanken und Gefühle wertvolle Hinweise sein. Wir sollten sie daher nicht nur wahr- sondern auch ernst nehmen.

Meter für Meter. Der Anfang ist es, der uns am meisten Angst macht. Der ganze Weg liegt vor uns, wir sorgen uns, ob unsere Kräfte reichen werden und um mögliche Hindernisse. Ist der erste Meter geschafft, wird es meistens schon leichter. Der Straßenkehrer Beppo sagt zu seiner Freundin Momo im gleichnamigen Buch:

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken. Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; dann macht man seine Sache gut. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“

So können wir es auch machen. Wenn wir die ganze Straße in kleine Schritte zerlegen, brauchen wir immer nur an den nächsten zu denken. Wenn Du die Richtung ändern willst, hilft es vielleicht, Dich zunächst nur zu fragen: Wie könnte mein erster Schritt aussehen?

Lass die Angst im Straßengraben zurück. Angst ist häufig nur eine (ziemlich fiese) Illusion, die uns von dem abhält, was wir wirklich wollen. Ein Auszug aus einem Text der Poetry-Slammerin Julia Engelmann, hilft mir oft dabei, klar zu sehen, wenn mir die Angst den Blick verstellt: „Unsere Tage gehen vorbei – das wird sowieso passieren. Und bis dahin sind wir frei. Und es gibt nichts zu verlieren.“ Letztendlich haben wir, fürs Erste, nur dieses eine Leben. Wir können versuchen, es nach unseren Wünschen zu leben … oder nicht.

Stolpersteine werden uns auf jedem Weg begegnen. Entweder sind es immer wieder dieselben oder welche, die wir vielleicht noch nicht kennen. Das Wichtigste ist wohl, dass wir nach dem Stolpern hinsehen, uns aufrichten und daraus lernen. Und dann merken wir vielleicht auch, dass es kein Tiger war, der uns zu Fall gebracht hat, sondern nur ein ausgestopfter Bettvorleger.

Warum überhaupt etwas Neues anfangen, wenn wir in der Vergangenheit doch längst bewiesen haben, dass wir Versager sind? Wir nehmen also ein einzelnes Ereignis aus unserer Vergangenheit als Grundlage und leiten daraus eine universelle Regel ab. Bei genauem Hinsehen ist das jedoch ziemlich verrückt. Nur, weil du gestern Kopfschmerzen hattest, muss es nicht heißen, dass du nun jeden einzelnen Tag deines Lebens Kopfschmerzen haben wirst. In Bezug auf unsere vergangenen Fehlschläge verfallen wir jedoch komischerweise auf die irrige Annahme, es würde unser Leben lang immer so weiter gehen.

Dabei sind Fehlschläge eigentlich ein ganz wesentlicher Bestandteil des Prozesses hin zum Fortschritt. Edison, der Erfinder der Glühbirne, scheiterte angeblich sogar 1000 Mal. Trotzdem gab er die Hoffnung nicht auf. „Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühbirne baut“, soll er einmal gesagt haben. Wie wir heute wissen, erfand er die Glühbirne letztendlich doch. Was Edison von denen unterschied, die nach 999 Fehlschlägen alles hingeworfen hätten? Er besaß offenbar ein sogenanntes Growth-Mindset, ein dynamisches Selbstbild. Menschen mit einem Growth-Mindset glauben, dass sie sich jederzeit weiterentwickeln und Neues lernen können, wenn sie nur genug Arbeit hineinstecken oder beharrlich üben. Diejenigen mit einem statischen Selbstbild, vertreten hingegen eher die Auffassung, dass Talent nun mal angeboren und unveränderlich ist. Das Gefährliche: Menschen mit statischem Selbstbild neigen dazu, ihren Selbstwert an ihren vermeintlichen Talenten zu messen. Fehlschläge – vor allem in Disziplinen, in denen sie sich für kompetent halten – verunsichern sie so sehr, dass sie oft keinen weiteren Versuch wagen. Ein typischer Fixed-Mindset-Satz wäre: „Vielleicht kann ich das doch nicht so gut, wie ich dachte“.

Studien belegen, dass Mindset zu einem Großteil anerzogen ist. Sogar die Art und Weise, wie wir als Kinder gelobt werden, kann Einfluss darauf haben. Wer bei einem fehlerfreien Diktat gleich zum „Rechtschreibgenie“ erhoben wird, der neigt möglicherweise dazu „Gute Rechtschreibung“ als Talent zu sehen. Das erhöht wiederum den Druck, in dieser Disziplin auch künftig immer gut sein zu müssen. Wer hingegen eher so etwas wie „Da hast Du Dir aber richtig Mühe gegeben – gut gemacht!“ hörte, der lernte, dass die gute Note das Ergebnis von Übung war und neigt auch später dazu, beharrliche Übung als Grund für den eigenen Erfolg zu sehen. Jetzt als Erwachsene loben und tadeln wir uns oft noch genau so, wie wir es als Kinder gelernt haben. Und wenn wir uns jetzt umprogrammieren wollen, müssen wir auch hier ansetzen: Bei der Art wie wir mit uns selbst reden. Sag dir doch das nächste Mal „Ich kann es NOCH nicht“ anstatt „Ich kann das nicht“ – ein kleines Wort mit großer Wirkung.

Wenn du deine Wahrnehmung bewusst auf deine Fortschritte lenkst – und seien Sie auch noch so klein – beweist du dir damit gleichzeitig selbst, dass du dich entwickeln und verbessern kannst. Wärest du „einfach schlecht“, dann gäbe es wohl kaum einen Fortschritt, oder? Deswegen: Feiere jeden Erfolg! Henry Ford sagte einmal: Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

Tatsächlich macht die Art und Weise wie wir über uns selbst denken oft den entscheidenden Unterschied. Zwar wird Dir das richtige „Mindset“ nicht alles ermöglichen können (auch bei 1000 Anläufen wäre Edison vermutlich niemals Miss Universe geworden), oft ist die Spannweite unserer Fähigkeiten jedoch breiter, als wir uns zutrauen. „Immer versucht, immer gescheitert. Mach Dir nichts draus. Versuche es wieder. Scheitere nochmal und scheitere besser.“

Ich lasse mich drauf ein und ich nehme die neuen Herausforderungen an und ich freue mich drauf. Du kannst das auch – ich glaube an dich.

Gelassenheit – to go

Warum ich an manchen Tagen einfach mal gerne einen Skalp an die Wand nageln würde. Das ist der Satz eines guten Freundes, den ich nur zu gut nachvollziehen kann. Bei mir auf der Baustelle würde ich denjenigen allerdings eher im Fundament versenken. Es gibt immer wieder so Situationen, wo man einfach mal tief Luft holen muss, einen Schritt zurücktreten muss und die Dinge einfach nicht persönlich nehmen darf. Egal, mit was für einem Quatsch einen das Umfeld auch nervt und wie sehr sie immer wieder verunsichern oder einem versuchen die Welt zu erklären ist manchmal echt abenteuerlich.

Manchmal im Leben begegnet man Menschen, deren Anwesenheit eine reine Provokation ist. Bei denen die Augen beim permanenten Verdrehen fast durchdrehen und das Blut schon überkocht, sobald sie den Mund nur aufmachen, denn man weiß: Jetzt kommt wieder was Nerviges! Wenn man mit dieser Art Mensch auch noch acht Stunden des Tages verbringen muss…Tja, dann Halleluja und Happy Monday. Man muss schon auf einer ziemlich stabilen Wolke der Gelassenheit durchs Leben schweben, um eine Person, die uns in den Wahnsinn treibt, mit einem besonnenen Lächeln einfach so hinzunehmen. Auch ich habe sicherlich schon bei so einigen Wolken der Gelassenheit ganz vehement an der Treibstoffzufuhr gerüttelt.

Da ich jetzt in einem Alter bin, in dem Stress Falten macht, lohnt sich unterschwelliger Zorn über das Verhalten anderer noch weniger als je zuvor (falls sich das überhaupt je gelohnt haben sollte…). Leider ist das Leben weder ein Wunschkonzert noch ein Ponyhof – und nicht einmal dort kann man sich aussuchen, mit welchen verrückten Ponyliebhabern man sich eine Stube teilen muss. Und so müssen wir manchmal einfach auf die bestmögliche Weise mit Leuten auskommen, mit denen wir freiwillig sicherlich keinen Besuch auf dem Ponyhof planen würde. Zumindest so gut, dass die Gelassenheitswolke nicht zum zerstörerischen Tornado wird.

Geboren, um zu nerven. Auch, wenn es sich manchmal genau so anfühlt: Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass es das Ziel eines kolossal erotischen Fortpflanzungsakts war, einen Homo Sapiens zu erschaffen, der ausgerechnet dafür da ist, Dich zu nerven. Meistens ist dieser Mensch einfach wie er ist – aber irgendetwas daran lässt Deine inneren Alarmsirenen hochfahren. Das muss der andere nicht einmal mitbekommen.

Schritt 1 ist also: die Situation und die Person nicht mehr so persönlich nehmen.

Schritt 2: In die Vogelperspektive treten für einen Blick für das große Ganze und uns neutral fragen: Was genau bringt mich dazu, so zu reagieren? Ist die Person jemand, den ich nicht mag oder erinnert sie mich bloß an jemanden, den ich nicht mag? Zeigt sie mir vielleicht sogar Verhaltensweisen auf, die ich selbst an mir nicht mag – und gehe deshalb so in Resonanz? Oder ist das, was mich nervt, vielleicht eine Eigenschaft, die ich selbst gern hätte?

Das Verhalten eines Mitmenschen müssen wir demnach nicht persönlich nehmen – unsere eigenen Muster, Bedürfnisse und Gefühle hingegen schon. Deshalb ist es wichtig nicht immer auf das Verhalten der Anderen zu schauen, sondern auf uns selbst. Verstehen wir uns und unsere eigene Verfassung, unsere körperlichen Signale besser, können wir emphatischer reagieren. Hält da gerade jemand sein Feuerzeug an meine Zündschnur? Bei mir sind es die kribbelnden Hände und meine Sprachlosigkeit – andere fangen an zu schwitzen oder es beschleunigt sich ihre Atmung. Kennen wir solche Vorboten, müssen wir uns nicht später – nach einer irrationalen Reaktion unsererseits – fragen, was uns denn da bitte geritten hat.

Um das Verhalten anderer nicht persönlich zu nehmen, bietet sich die Rolle des neugierigen Wissenschaftlers an. Denn anstatt den Kollegen beispielsweise bloß als diese nervige Zumutung anzusehen, der wir aus dem Weg gehen wollen, könnte er auch das neuste Forschungsprojekt des inneren Wissenschaftlers werden.

Der Wissenschaftler möchte begreifen, die größeren Zusammenhänge logisch ein- und zuordnen. Er bezieht das Verhalten des anderen also nicht auf sich und wird emotional, sondern er setzt lieber neugierig seine Brille auf und ergründet sie, tüftelt Theorien aus und überlegt sich mit distanzierten Gefühlen, wie dieser Mensch möglicherweise so geworden ist, wie er nun mal jetzt gerade ist. War es eher das Elternhaus, das prägend war? Seine Lehrer? Wurde er früher vielleicht gemobbt und hat dieses Verhalten als Abwehrstrategie entwickelt? Hat sein kultureller Hintergrund etwas mit seiner Art zu tun? Könnte es eine bestimmte Motivation geben, die ihn antreibt? Wie würde es mir in seiner Situation gehen, wie würde ich mich fühlen?

Es geht nicht darum, sich damit das Verhalten einer anderen Person schönzureden oder damit gänzlich einverstanden zu sein, noch darum, Urteile zu fällen. Ziel ist, die Perspektive zu wechseln, über den eigenen Tellerrand etwas hinüber zu schauen und die eigene Sicht über die Welt vielleicht ein kleines bisschen zu erweitern. Und ganz vielleicht den anderen mehr zu verstehen.

Wir atmen beide gern. Ich mag Menschen, die mir ähnlich sind und mit denen ich viele Gemeinsamkeiten habe. So kann mich selbst die größte Nervensäge in Windeseile besänftigen, wenn sie anfängt, vom Segeln oder Schiffen zu schwärmen. Wollen oder sollen wir miteinander auskommen, lohnt es sich für eine gute Gesprächsbasis, nach genau diesen positiven Schnittmengen Ausschau zu halten – und darauf aufzubauen. Bei einem Kollegen kann es zum Beispiel das gemeinsame Ziel sein, gute Arbeit für die Firma zu leisten (und die Aussicht, diese Person nicht ehelichen zu müssen, sondern einfach nur erwachsen mit ihr zusammenzuarbeiten). Das kann genug Fläche für die Verbindung sein – auch, wenn man dieses Ziel in der Arbeitsweise möglicherweise unterschiedlich angeht.

Grundsätzlich verbindet uns Menschen mehr, als uns trennt. Wir wollen Glück suchen, für uns und unsere Lieben und wir wollen Schmerz vermeiden. Meist ist es nur die Art und Weise, an dem die Meinungen auseinanderdriften. Warum sollten wir unfreundlich oder unfair werden, nur weil wir manche Herangehensweisen anders sehen?

Ja, selbst der nervigste Kollege ist auch nur ein Mensch auf seinem Weg durchs Leben, den er so gut wie möglich bewältigen will. Das Gute ist doch: Wir müssen uns nicht einmal mögen, um gut miteinander auszukommen. Es reicht, Respekt vor den Unterschiedlichkeiten zu haben. Und uns hier und da ein bisschen hineinzuversetzen in seine oder ihre Lage. Wenn wir uns in dieser Empathie üben, kann selbst eine dünne Wolke von Gelassenheit irgendwann so groß und stark werden, als hätten wir sie mit Anabolika gefüttert.

Schubser, Vordrängler, Leute, die sich lieber schnell durch die Tür schlängeln, damit sie dem Hintermann auch bloß direkt vor der Nase zuschlägt – bei solchen unnötigen Aktionen könnte ich an die Decke gehen. Wenn ich ohne (für mich) ersichtlichen Grund unfair behandelt werde, ist meine Stimmung dahin.

„Reg Dich nicht auf.“ „Chill mal.“ „Da kannst Du eh nichts machen.“ Sagen die besonnenen Mitmenschen dann – und haben im Prinzip haben ja auch recht. Und, ja, eigentlich weiß ich es ja auch: Sich über Lappalien oder unveränderliche Dinge aufregen, bringt nichts. Nimm den Menschen, wie er ist, du kannst ihn eh nicht ändern… Aber erst einmal in der Situation gefangen, sieht es bei mir mit der gelassenen Gleichgültigkeit schnell ziemlich schlecht aus.

Gelassenheit bedeutet nicht Kontrollverlust. Dass es bei mir mit der Gelassenheit-To-Go so oft nicht geklappt hat, lag nicht zuletzt auch daran, dass ich in Situationen, die meine Werte verletzten, gar nicht gelassen reagieren wollte. Schließlich hat der andere etwas falsch gemacht – und wo kämen wir denn hin, wenn ich ihn dafür nicht wenigstens mit Missbilligung strafen würde? Ihn mit Gelassenheit einfach davonkommen lassen? Pah! Das fühlt sich wie ein Verrat an meinen Werten an. Als hätte mein Ärger keine Berechtigung. Mit dem Konzept „Einfach atmen und drüber stehen“, kam ich oft nicht weit. Entweder driftete ich in emotionale Apathie ab oder fühlte mich schlecht, weil ich es nicht hinbekam, wirklich drüber zu stehen.

Deswegen musste ich strategischer vorgehen. Denn statt gleich den Anspruch zu haben, auf einer Wolke über allem und jedem zu schweben, können wir auch Schritt für Schritt beginnen:

Die Energie des Ärgers für sich nutzen. Wenn wir uns aufregen, fließt unglaublich viel Kraft durch uns. Damit diese nicht unkontrolliert ausbricht und wir die Contenance bewahren können, müssen wir andere Energiereserven anzapfen, um diese Kraft irgendwie im Zaum zu halten. Das laugt aus und ist oft unbefriedigend, weil wir oft nur einen Deckel auf den kochenden Topf pressen und hoffen, dass er sich dann schon von allein abkühlt. Damit richten wir die Wut letztlich gegen uns selbst.

Dabei könnten wir diese Kraft bei so vielen anderen Dingen gebrauchen, die uns wirklich voranbringen. Beim Sport, beim Malen, beim Gestalten unseres Traums. Sollen wir diese Gratis-Kraft wirklich an einen anderen verschwenden? Kann der andere das wert sein? Oder wäre es nicht hilfreicher, diese Kraft in positive Bahnen zu lenken? In unangenehmen Momenten können wir auch mal ganz bewusst die eigene Kraft und ihre positive Absicht wahrnehmen – und sie mit dem Versprechen auf eine bessere Entfaltungsmöglichkeit „einfrieren“. Damit sie bei Aktivitäten freigesetzt werden kann, für die wir wirklich Kraft brauchen. Seitdem ich diese Kraft beim Sport rauslasse, nämlich beim Schwimmen, schieße ich wie eine Rakete durchs Wasser. Alternativ beim Segeln, richtig hart am Wind.

Jemand, der uns aufregt, führt uns vor Augen, wie viel Stärke in uns schlummert. So gesehen ist das auch ganz nett von ihm und ich bin ihm einfach dankbar dafür. Es liegt dann an uns, wohin wir diese Stärke verteilen.

Sprache bewusst nutzen. „Ich bin so sauer!“ „Ich könnte kotzen!“ „Was fällt diesem Ars… ein?!“ Die Art und Weise, wie wir unser Unbehagen (gedanklich) verbalisieren, entscheidet mit darüber, wie viel Öl wir in unser eigenes Feuer gießen. Denn auch sprachlich können wir Abstand von einer unliebsamen Situation nehmen. Je intensiver wir uns ausdrücken, desto einfacher rufen wir emotionale Zustände ab, die mit diesen Ausrücken codiert sind. Wenn wir jedoch Ausdrücke benutzen, die wir sonst nicht verwenden und zu denen wir ein eher neutrales (oder im besten Falle positives) Verhältnis haben, ändert sich auch unsere emotionale Verfassung. Es macht einen Unterschied, ob wir uns selbst als „wütend“ oder als „nicht entzückt / nicht erquickt bzw. etwas pikiert“ bezeichnen.

Auch der Verzicht auf die „Ich“-Form schafft Abstand in kritischen Situationen. Das Sprechen über/zu sich in der 3. Person bzw. Du-Form hilft, die Szene von einer Metaebene zu bewerten. Welche Wörter haben auf mich eine beruhigende Wirkung? Wie würde ein Mensch mit mir reden, der mich immer zum Lachen bringt? Was würde der klügste Mensch, den ich kenne, zu mir sagen?

Die geistige Umnachtung sollte man immer mal einkalkulieren. In seinem Buch „Der Elefant, der das Glück vergaß“ schreibt der buddhistische Mönch Ajahn Brahm eine Geschichte zur Gelassenheit, die mich tief beeindruckt hat:

Ein Mann geht zum Markt, er will einfach nur Eier für sich und seine Frau zum Abendessen besorgen. Dort angekommen, wird er ohne Grund von einem fremden Mann auf übelste Art und Weise beleidigt. Und er hört nicht auf. Peinlich berührt verlässt er schnell wieder den Markt und erzählt seiner Frau davon. „‚Ach der!‘, sagte seine Frau und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken. ‚Das macht er mit jedem. Weißt du, als Kind ist er mal auf den Kopf gefallen. Dabei hat einen Hirnschaden erlitten und führt sich seither immer so auf. So ein armer Kerl. […]‘“

Im Buddhismus sind Zorn und Beleidigungen Ausdruck einer „zeitweiligen geistigen Verwirrung“. Wie sehr müsstest Du Dich dann noch über einen anderen aufregen, wenn Du Dir vorstellen könntest, dass er gerade einfach unter einer vorübergehenden geistigen Verwirrung leidet? Wie viel Freiheit würde es Dir geben? Der Mann aus der Geschichte konnte zumindest ganz entspannt wieder zurück auf den Markt gehen und ungeachtet aller weiteren Beleidigungen des anderen Mannes seine Eier kaufen…

Inzwischen denke ich nicht mehr, dass ich meine Werte verrate, wenn ich mich von einem Drama fernhalte, das mir ein anderer aufzwingen will. Drama-Abstinenz ist eine Entscheidung, die aus meiner eigenen Freiheit entspringt – und die ich meiner Kraft, meinen Zielen und meinem Leben zur Liebe nutzen kann. Jederzeit, wann immer ich es entscheide.

Du kannst das auch. Ich glaube an dich.

Trust the process

Das Leben ist eine Reise – meine Reise. Wir können das Leben nicht immer kontrollieren, auch wenn wir es sehr gerne wollen. Unser Bewusstsein macht einen nur sehr kleinen Teil unseres Lebens aus, das Unterbewusstsein hat einen viel größeren Einfluss auf uns und unser Leben als wir denken. Deswegen ist es so wichtig Dinge aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein zu holen, sich voller Zuversicht dem Leben hinzugeben und dem Prozess des Lebens zu vertrauen.

Manchmal ist der Weg, den wir gerade gehen nicht sicher und auch nicht ganz klar. Aber manchmal ist das gar nicht wichtig, denn es ist schon alles da – wir müssen uns nur darauf einlassen. Wenn wir das verstehen und vertrauen anstatt immer auf ein Zeichen zu warten, dann haben wir schon viel geschafft. Ich muss mir das auch immer wieder klarmachen. Denn durch das Vertrauen in uns selbst, stellen wir die Weichen für unser Leben und unser Glück.

Es ist so wichtig, dass man immer man selbst bleibt und auch zu sich selbst steht – sich nicht für andere verbiegt. Wenn ich ich selbst bin, kann ich mich nicht verlieren. Ein kleiner Satz, aber er steckt voller Wahrheit. Denn die Dinge sortieren sich praktisch wie von selbst im Leben – was nicht zu mir und meinem Leben passt verschwindet schnell wieder. Platz für Neues wird geschaffen, das Andere ist kein Verlust, sondern eher eine Befreiung und das tut einfach gut. Manchmal muss man allerdings ein paar Runden drehen, bevor man das erkennt. Deshalb folge ich einfach meiner Intuition, meinem Bauchgefühl und genieße die Dinge total. Sich selbst kann man nicht verlieren – niemals. An solche Gesetze im Leben glaube ich ganz fest, denn sie sind kraftvoll und sie geben uns unsere Stärke.

Deshalb gehören auch Fehler dazu. Sie sind wie kleine Wegweiser, die uns sagen wo wir beim nächsten Mal vielleicht anders abbiegen sollten. Manchmal klappt es, manchmal müssen wir die Erfahrung nochmal machen, um ganz sicher zu gehen, dass uns der Weg nicht an das gewünscht Ziel bringt. Im besten Fall sind wir danach klarer und haben die Botschaft verstanden. Fehler sind am Ende nie etwas Schlechtes, sondern ein Feedback auf unsere Handlung. Aktion und Reaktion. Trial and Error. Alles ist Feedback. Das ganze Leben spiegelt so viel über unsere gesamten Handlungen wieder und unsere äußere Umgebung, so wie wir leben, sagt so viel darüber aus, wie es in unserem Inneren aussieht.

Ich liebe Prozesse. Meine Baustellen wickele ich alle so ab. Das Ziel ist klar definiert, man entwickelt gemeinsam den Weg dorthin und kontrolliert dann die Umsetzung. Das ist das sogenannte Lean-Management. Es ist effektiv und es ist nicht nur für die Prozesse und Abwicklungen auf der Baustelle gut, sondern lässt sich auch im normalen Leben wirklich gut einsetzen. Vor allem sind die Vorgänge transparent und zielführend. Wirklich motivierend ist, dass man die Abarbeitung genau verfolgen kann. Man kann also die Fortschritte genau verfolgen und ich finde das total motivierend – zu sehen, dass man immer näher an sein Ziel kommt.

Ja, auch bei klar aufgesetzten Prozessen gibt es immer wieder Rückschläge oder Stolpersteine, aber das gehört dazu. Man nimmt die Lerneinheiten als Teil des Weges an, es geht um die Entwicklung und Verbesserung. So entwickele ich mich immer weiter und ich erhöhe damit mein Level. Das tut einfach gut und ich liebe das.

“Sometimes it’s a taff journey to the heart of happiness – but it’s worth  – every second“ Dieser Satz kam mir gestern irgendwann in den Sinn. Ich glaube, dass glücklich sein weniger mit einem Zustand zu tun hat, als viel mehr mit dem Akzeptieren aller Stationen auf unserer Lebensreise und auch die Schwebephasen als richtig zu entschlüsseln. All die schönen Lebensmomente wie kleine Sterne zu sammeln und daraus deinen eigenen Sternenhimmel zu erschaffen der eben nur sichtbar ist, wenn es auch die Dunkelheit geben darf sonst würden die Sterne nicht so klar funkeln. Die Metapher mag ich irgendwie, ihr kennt es ja.

…manchmal können wir kurz fliegen, uns gut fühlen – bis zu den Sternen. Doch wir werden immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Immer. Irgendwann. Weil Glück eine Momentaufnahme ist und kein allgegenwärtiger Zustand, nicht konservierbar. Er kommt und verschwindet, kommt und geht wieder. Erinnert uns, dass es ihn gibt, zeigt uns, wie wunderschön er sein kann und manchmal bleibt er länger, manchmal nur kurz. Oft so, wie wir es annehmen, wie sehr wir ihn willkommen heißen und dann zieht er weiter. Damit er nicht selbstverständlich wird. Damit wir ihn wertschätzen. Den Glücksmoment. Er ist wertvoll und nicht von Dauer – doch er kommt immer wieder. Mal kommt er im Kleinen und mal im Großen. Deshalb genieße die Höhe, den Flug und lerne den Fall zu lieben. Er gehört dazu und gibt dir Boden unter den Füßen, erinnert dich daran WER DU BIST. Mit all deiner Kraft und Liebe.

Eine wunderbare Frau, die ihr Leben liebt und Spaß daran hat. Ich stelle mich dabei auch den Schwierigkeiten, die der Weg einfach so mit sich bringt und die das Ganze erst spannend machen. Ich setze mich in diesen Durststrecken dann immer wieder mit mir und meinem Leben auseinander und habe so die Chance die Dinge eventuell ein wenig nachzujustieren oder auch zu optimieren. Ich bin dankbar für die Hilfe oder den Input und ich nehme es an und arbeite damit.

Es ist mein Leben und ich habe die Verantwortung dafür – ich allein. Das ist das Beste daran, denn ich allein habe die Chance es auch zu ändern, eine neue Richtung festzulegen oder andere Entscheidungen zu treffen und auch umzusetzen. Niemand zwingt mich die Dinge als gegeben hinzunehmen.

Ich liebe Herausforderungen und ich stelle mich ihnen. Auch wenn es manchmal ganz schön viel ist und ich nicht weiß, was ich eigentlich zuerst tun soll. Aber genau das ist der Zeitpunkt, wo ich mich klar definiere, meine Prioritäten festlege und Spaß habe. Wenn alles immer glatt laufen würde, dann wäre das Leben total langweilig. Versteh mich nicht falsch, Niemand sollte sich extra in irgendwelche Schwierigkeiten bringen, das kann jeder Depp. Es geht darum, aus seiner Komfortzone zu kommen, sich den Herausforderungen zu stellen, sie zu sortieren und Entscheidungen zu treffen. Dabei helfen einem die vorher definierten Prozesse – sie bilden sozusagen die Leitplanken auf dem Weg und geben Sicherheit.

Bei mir ist es derzeit mein Lebensmittelpunkt, der sich von Deutschland in die Schweiz verschiebt. Hier sind viele Herausforderungen, die ich zu meistern habe und Dinge, die jetzt neue oder andere Prioritäten bekommen. Erst wenn man sich den Herausforderungen stellt, hat man die Chance sich zu entwickeln, Stehvermögen, Entschlossenheit und Persönlichkeit zu bilden. Man bleibt nicht liegen, wenn man mal fällt und gibt sich seinem Schicksal hin – man steht auf und zieht es durch. Vielleicht dauert es etwas länger und scheint einfach unerreichbar – manchmal muss man einfach nur vertrauen und an sich arbeiten. Dann geht es weiter und die Dinge kommen zu einem.

Es braucht Mut das zu tun, aber das Leben belohnt die Mutigen. Das ist genau die richtige Einstellung, denn das ist viel schwieriger als alles beim Alten zu lassen und mich immer zu beschweren wie doof das Leben doch ist. Das schönste Gefühl überhaupt ist es, wenn man die Schwierigkeiten und widrigen Umstände überwunden hat und sein Ziel erreicht hat. Genießt es und prägt es euch genau ein, denn der Weg zum nächsten Ziel ist lang… Sich zwischendurch immer mal wieder bewusst zu machen, was man schon alles erreicht hat hilft einem durchzuhalten und sich immer wieder neu zu motivieren.

Du ziehst es jetzt durch, machst dein Ding, vertraust auf dich und deine Fähigkeiten und genießt jeden Schritt des Weges.