Segel setzen

„Wir können nicht immer den Wind bestimmen, der unser Leben beeinflusst, aber wir können die Segel setzen und bestimmen in welche Richtung es geht.“ Ja, genauso ist es. Viele beschweren sich immer wieder, dass sie es so schwer haben und alles gegen sie ist. Aber etwas tun, wollen die wenigsten – sie erwarten immer, dass Andere alles für sie tun.

In meinem Leben hatte ich schon so oft Wind von vorne und ehrlich gesagt liebe ich das – im Leben und auch beim Segeln auf dem Wasser. Denn gerade heute hat mir ein wunderbarer Mann einen ganz tollen Sonntag beschert. Ich hatte endlich mal wieder die Gelegenheit segeln zu gehen und es war wirklich toll, denn es war richtig schöner Wind, ein wenig Sonne und sehr viel Spaß. Ich konnte meine Nase einfach mal wieder in den Wind halten, mich um die Segel kümmern und meinen Kopf frei machen. Ich liebe das Segeln und das Wasser, besonders an einem so tollen Tag wie heute – es hat einfach gepasst.

Aber genau das ist das Schöne an Tagen wie diesen – auf einmal tritt das völlig unerwartete in dein Leben und bringt ein Geschenk mit. Bei mir war es heute die Fahrt auf dem Boot. Solche Momente sind einfach zum Genießen da, man kann sie weder hinterfragen noch kann man das Steuern. Ich habe den Besitzer des Bootes schon vor ein paar Tagen kennengelernt – ich schwimmend im Wasser und er segelnd auf dem See, so kamen wir ins Gespräch. He made my day.

Auf der anderen Seite gibt es genug Stress in unserem Leben und Wind von vorne, mit dem wir dann professionell umgehen müssen. Diesen Stress finden einige als Belastung, für Andere ist er kaum der Rede wert, weil sie ihn positiv annehmen. Bestimmte Dinge, die andere Menschen als Stress empfinden gehören für mich einfach zum Leben dazu, ich habe sie akzeptiert und ich kann damit arbeiten. Ich nehme mich nicht ganz so wichtig dabei und ich versuche immer wieder einen anderen Ausgleich zu haben. Ich kann mich im und auf dem Wasser total entspannen – mein Kopf kann dann einfach ausschalten und ich bin einfach nur bei mir und dem Wasser.

Ein ehemaliger Professor von mir, der ein leidenschaftlicher Segler ist hat einmal gesagt: „Wenn es gerade richtig übel aussieht und du nicht mehr weiterweißt, dann fahr raus aufs Meer – am besten bei ordentlich Wind. Wenn du dann kenterst, einmal klatschnass bist und dir nur noch kalt ist, dann ist dein Kopf wieder resettet und klar.“ Er hatte recht, denn man freut sich dann nur noch auf trockene Klamotten und etwas Warmes zu trinken. Die Dinge sortieren sich neu und bekommen auch andere Prioritäten – oft ändert sich die Perspektive, mit der man das Ganze betrachtet. Das hilft und man stellt auf einmal ganz neue Möglichkeiten fest. Das kann ein anderer Kontakt sein, der Einem weiterhelfen kann oder es findet sich eine ganz neue Möglichkeit, an die man vorher gar nicht gedacht hatte. Ja, genau das bringt einen weiter.

Es ist wie beim Training, wenn man bis an seine Grenzen, vielleicht sogar ein wenig darüber hinaus, geht und anschließend entspannt, dann wachsen die Muskeln. So ist es auch im Leben, man wächst an den Dingen. Aber man sollte wirklich bewusst damit umgehen und die Schritte umsetzen. Einfach machen, durchhalten und weitermachen. Du schaffst das.

Ich kann es immer nur wieder runterbeten: sich den Dingen stellen, daran wachsen und sich auch nicht zu schade sein mal um Hilfe zu bitten. Ich kann die Welt auch nicht immer alleine retten, ich brauche Hilfe von Menschen, die mich kennen und die Dinge auch besser können als ich. Das gehört dazu, ich liebe alles was mit Bauen, Architektur und Design zu tun hat, aber ich scheitere daran Kleider zu nähen. Ich habe einfach nicht die Geduld dafür und ich kann es nicht. Klar, ich könnte es lernen und dann machen. Aber ich habe eine gute Freundin, die das gelernt und hinterher sogar studiert hat, die kann das wesentlich besser als ich und deshalb begebe ich mich da immer in ihre wissenden Hände, wenn ich mal was brauche. Dafür stricke ich total gerne, besonders Schals. Die sind sogar so toll, dass du sie bei mir bestellen könntest. Spaß beseite, jeder hat seine Sachen, die er richtig gut kann und das reicht vollkommen aus. Wenn man allerdings unzufrieden mit sich und seinem Leben ist, dann sollte man die Dinge einfach mal auf den Prüfstand stellen.

Eine gute Bekannte hat zwar ein eigenes Geschäft, aber wirklich glücklich ist sie nicht damit. Sie wollte sich unbedingt selbstständig machen und allen beweisen, dass sie es hinkriegt. Aber inzwischen ist sie von den Kunden nur noch genervt und irgendwie läuft es auch nicht so richtig. Es ist schwierig, denn sie hat sich ein wenig verrannt und will immer noch allen beweisen, dass sie es schafft. Aber ändern will sie auch nichts, besonders nicht ihre Einstellung. Sie hat keine Leidenschaft bei dem, was sie tut und deshalb kann sie mit den Durststrecken nicht umgehen. Sie hat auch kein Ziel, auf das sie hinarbeiten kann – sie lässt sich einfach treiben und gibt allen Anderen die Schuld, weil es nicht gut läuft bei ihr.

Aber manchmal muss man einfach mutig sein und sich den Dingen stellen und auch mal eine Entscheidung treffen im Leben, die vielleicht nicht so bequem ist. Ja, das ist stressig und es macht auch keinen Spaß, aber es bringt dich weiter.

Das ist so, wie wenn eine Buchhalterin auf einmal Unterwäsche verkaufen soll. Das ist nicht ihr Ding, denn sie liebt Zahlen und mit denen kommt sie wunderbar klar, sie ist strukturiert und sie hat die Dinge voll im Griff. Mit den Kunden sich auseinanderzusetzen ist einfach nicht ihr Ding und es macht ihr keinen Spaß, besonders die Art wie die Kunden im Laden agieren mag sie nicht. Sie kommt besser in einem Büro klar, wo sie mit den Zahlen, Bestellungen oder dem Controlling umgeht – das ist ihre Welt. Klar, sie hatte sich in den Kopf gesetzt, dass sie allen beweisen wollte, dass sie auch coole Wäsche verkaufen kann, denn die findet sie einfach toll. Aber verkaufen, besonders mit Kunden, ist immer nochmal so ein Ding, was man wirklich mögen und können muss.

Ich habe das früher in einem Fitness-Studio auch mal gemacht. Aber ich kann ehrlich sagen, dass es auch nicht mein Ding ist, ich brenne da einfach nicht für. Aber ich musste ein paar Jahre da durch und ich hatte nur eine Chance, denn entweder ich ändere meine Einstellung zu den Kunden und dem Verkaufen oder ich muss mir einen anderen Job suchen. Ich habe, da mein Chef wirklich an mich geglaubt hat, das durchgezogen und an meiner Einstellung gearbeitet. Es war eine wirklich harte Schule und einige Kunden haben es mir wirklich schwer gemacht, aber ich habe durchgehalten und ich wurde am Ende belohnt. Denn als ich aufgehört habe, bevor ich nach Stuttgart gezogen bin habe ich eine tolle Abschiedsparty bekommen – danke nochmals dafür.

Es sind die kleinen Dinge, die es am Ende ausmachen, aber es hat sich wirklich gelohnt. Die Erfahrungen, die ich dort mit den Menschen sammeln durfte, haben mich wirklich geprägt und es hat Spaß gemacht mich zu entwickeln. Seitdem liebe ich es mich immer weiter zu entwickeln, neue Felder und Orte zu entdecken und zu wachsen. Ich habe mir auch nicht immer die einfachsten Dinge und Projekte ausgesucht oder bekommen – im Gegenteil. Manchmal habe ich gedacht, ob die einfach spinnen, weil sie mich vollkommen überfrachten damit. Aber ich habe den Dingen getrotzt, durchgehalten, Fehler gemacht und daraus gelernt und tolle Menschen in meinem Leben gehabt und ich habe sie teilweise auch heute noch, die mich bestärkt, unterstützt und gefördert haben.

Deshalb bin ich jetzt hier in Zürich und ich liebe den See hier direkt vor meiner Haustür. Es gibt nicht schöneres einfach kurz über die Straße zu gehen und in den See zu springen oder wie heute den Luxus zu haben ihn vom Boot aus genießen zu dürfen. Es war einfach genial und ich liebe das Segeln total. Ich bin so dankbar, dass ich vor zwei Jahren schon mein Patent auf dem Bodensee gemacht habe. So habe ich die Freiheit mir auch mal ein Boot ausleihen und frei sein zu können.

Ich nehme mir diese Auszeiten viel zu selten und denke immer, dass ich noch wichtigere Dinge zu erledigen habe. Aber ich habe den Vorsatz es zu genießen und mir auch meine Auszeiten zu nehmen, wenn es geht. Abends, nach der Arbeit gibt es bei den heißen Temperaturen nichts Besseres als einfach die Klamotten in die Ecke zu schmeißen, den Bikini anzuziehen und in den See zu springen. Okay, du hast mich ertappt, ich schmeiße meine Klamotten nicht einfach in die Ecke, sie landen ordentlich auf einem Stuhl bzw. im Wäschesack.

Ich habe mich aus meiner Comfort-Zone herausgewagt und ich bin in einem neuen Land und ich fange nochmal neu an. Naja, nicht ganz, denn die Firma ist dieselbe, es ist nur ein anderer Standort. Aber der Rest ist neu und das ist die Herausforderung. Es fühlt sich gut an und es macht Spaß. Klar hätte ich alles beim Alten lassen können und immer so weitermachen, aber es hat mich nicht mehr glücklich gemacht dort. Diese unerwarteten Dinge, wie heute das Segeln, machen mich glücklich. Es sind die kleinen Dinge, auf die es ankommt.

Danke Allen, die bisher auf der Reise dabei waren und Spaß mit mir hatten – hab euch lieb.

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