Change it #1

Leben bedeutet Veränderung. Ein so einfacher Spruch, der doch so anstrengend sein kann. Denn Veränderungen bedeuten auch immer Anstrengungen und neue Wege gehen. Wege, die noch unbekannt sind, wo man sich erstmal neu orientieren muss und die ganz neue Dinge mit sich bringen. Es bedeutet ganz einfach Stress und runter von der Couch in der Comfortzone. Deshalb tu das, wovor du Angst hast und die Angst schwindet. Sich dem stellen und der Gefahr, die meistens gar keine wirkliche ist, in die Augen schauen.

Denn nur wer sich bewegt, spürt auch die Fesseln, die einem seine Grenzen klar aufzeigen. Das ist wie bei den Elefanten, denen man schon als Baby mit einer Kette beigebracht hat, wieweit sie sich bewegen dürfen. Sie haben sich so sehr an diese Begrenzung gewöhnt, dass man ihnen als ausgewachsenen Elefanten nur noch ein dünnes Seil anlegen muss und sie bewegen sich nur im Rahmen dessen. Es sind die antrainierten Dinge und Gedanken, die und einschränken.

Da sind sie wieder unsere Gewohnheiten, denn nichts anderes ist es. Auch sie halten uns in unserem Umkreis gefangen und hindern uns über den Tellerrand hinaus zu schauen. Auf der anderen Seite geben sie uns auch Sicherheit, denn es ist ein gewohnter Ablauf, der oft schon automatisch abläuft und uns durch die Automatisation weniger Kraft und Anstrengungen kostet wie das Neue.

Doch das Leben schickt einem immer wieder kleine Stolpersteine. Ob es jetzt ein neues Projekt ist, neue Kollegen, ein kaputter Reifen oder eine neue Wohnung in einer neuen Stadt. Wir müssen uns dann erstmal sortieren, die Dinge klären und schauen, was wir tun. Bei dem platten Reifen ist es ganz einfach, denn man besorgt sich einen neuen. Andere Dinge, wie neue Projekte oder Kollegen sind schon ein wenig schwieriger, denn die muss man erstmal annehmen, sich einarbeiten und den Kontakt herstellen, aber auch das wird – es ist nur nicht ganz so einfach wie einen neuen Reifen zu kaufen.

Es ist die Suche nach Wärme, Liebe und Geborgenheit, die uns immer wieder weiterstreben lässt. Wir wollen glücklich und geborgen sein und uns wohlfühlen. Reflektierte Menschen schauen sich regelmäßig an wo sie stehen und wo sie hinwollen und überlegen sich was zu tun ist. Die Anderen sitzen auf der Couch, trinken Wein und essen Chips. Sie bleiben in ihrem Hamsterrad und geben dem Rest der Welt die Schuld für ihr Elend. Ich gebe es zu, ich sitze auch mal entspannt auf der Couch und trinke einen Wein, aber ich will weiterkommen und mich entwickeln. Nach einer anstrengenden Phase genieße ich die Zeit, wie jetzt gerade, und schnaufe mal durch.

Sind meine Sinne mal wieder ordentlich vernebelt von all dem Stress und den vielen Eindrücken, die jeden Tag auf mich einströmen, dann suche ich mir einen stillen Moment, atme tief ein und beim Ausatmen bin ich gedanklich schon wieder am Wasser und lasse meine Gedanken einfach fließen. Damit schaffe ich es mich aus meinem inneren Hamsterrad zu befreien, dem zwanghaften Kreisen der Gedanken den Stecker zu ziehen. Es breitet sich eine angenehme Ruhe aus.

Jeder kann sich das bewusst machen und es mit dem für seine Seele maßgeschneidertem Schlüssel kontrollieren. Es sind die individuellen Orientierungsmarken, die uns Frieden, Stabilität und Gelassenheit schenken.

Da ich diesen Sommer den See einfach genießen darf, bleibe ich bei dem Beispiel. Langsames Schwimmen mit aus dem Wasser gerecktem Kopf ist und macht schwer. Doch kraftvolles Gleiten macht frei. Den Kopf ins Wasser tauchen, bewusst atmen und einfach vorwärts Gleiten, das macht meinen Kopf frei. Es ist schon ein Automatismus bei mir, wenn ich die ersten Züge mache, dann achte ich auch das Wasser und meinen Körper, ich höre auf die restliche Welt zu betrachten.

Ebenso ist es, wenn ich auf dem Boot meine Nase in den Wind halte und mich darauf konzentriere weiter am Wind zu bleiben. Oder am Ufer zu sitzen und einfach dem Wasser und den Wellen bzw. auch den Bergen meine Aufmerksamkeit zu schenken und einfach loszulassen. Am Wasser habe ich diesen Automatismus auch sofort. Das war schon immer so, aber seit ich das erste Mal die Niagara-Fälle in Amerika erlebt habe, ist es ganz normal geworden. Es war ein so irres Erlebnis diese Massen an Wasser einfach beim Fließen zu erleben, diese unglaubliche Energie. Das hat es mir angetan und seitdem bin ich von Wasser einfach noch mehr fasziniert. Umso schöner, dass ich dabei einfach abschalten und mich dieser Energie hingeben kann.

Sich voll drauf einlassen auf das, was wir tun, egal, ob beruflich oder privat. Es ist so leicht gesagt und doch so mühsam, wenn man es tun muss. Denn es ist ja irgendwie immer etwas, das stört. Der Partner, der rummuffelt, der Stau, in dem wir stehen, der Kollege, der anderer Ansicht ist. Wir reden uns dann gerne ein, dass es sowieso nicht geht.

Aber genau jetzt müssen wir auf den roten Stop-Button drücken, uns da rausnehmen, schauen was wir eigentlich wollen und was wirklich unsere Haltung ist. Lass den Partner weiter muffeln, der Stau wird sich auch wieder auflösen und der Kollege darf gerne eine eigene Meinung haben. Wichtig ist, was du willst und wie du mit der Situation umgehst. Ich konzentriere mich einfach auf mich und nicht auf alle Anderen um mich herum, warum auch? Was will ich und wie geht es mir damit? Ich habe mit meinem Leben schon genug zu tun und ich habe schließlich noch viel vor.

Viele fangen dann an den Aufstand zu proben und versuchen die Dinge, um jeden Preis durchzusetzen. Aber Widerstand gegen das, was ist, bringt nichts. Ich habe das auch schon etliche Male durch, wollte mit dem Kopf unbedingt durch die Wand, habe getobt, bin laut geworden und habe die Welt und die Menschen darin verflucht. Aber was hat mir das gebracht – stimmt, gar nichts. Im Gegenteil, es ging mir auch noch richtig schlecht damit und ich habe mich klein, unbedeutend und ungeliebt gefühlt. So ein Bullshit! Lass dich auf die Dinge des Lebens ein und auch auf die Veränderungen, die es mit sich bringt oder die es schon gibt.

Wenn ich die Dinge als gegeben annehme, dann werde ich mich darauf einstellen, gegebenenfalls meine Pläne ändern, neue Wege finden und zufrieden und glücklich sein. Wenn ich mich aber dagegen stemme, mich aufrege, beschwere, versuche Widerstand zu leisten, dann produziere ich meistens viel Wind. Der kostet mich eine Menge Energie, macht mich aggressiv, unglücklich und lässt mich letzten Endes mit einem Ohnmachtsgefühl zurück.

Ich bin immer noch nicht perfekt darin, die Dinge einfach anzunehmen. Besonders mit allen Konsequenzen. Vor allem, wenn gerade meine Pläne durchkreuzt werden, fällt es mir schwer gelassen zu bleiben und die Dinge zu nehmen wie sie eben sind – aber ich bin auf einem guten Weg.

Hingabe bedeutet, einzutauchen in den Fluss des Lebens. Annehmen, was da so vorbeigeschwommen kommt. Was aber nicht heißt, dass man kampflos vor sich hinvegetiert. Es geht nur mit den Menschen und den Dingen, die einem zur Verfügung stehen und nicht mit Utopien. Ich versuche einen Weg zu finden, damit umzugehen, wenn ich gerade mal überfordert bin und die Dinge wieder auf meine Weise zu sehen. In der Gegenwart bleiben. Nicht in Utopien verfallen und die Dinge einfach genießen – egal wie ungeplant sie auch waren. Im Zweifelsfall gehe ich noch eine Runde schwimmen oder segeln, mache meinen Kopf frei und versuche meinen Weg wieder zu finden.

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Das ist einfach wahr. Denn die meisten lassen sich einfach mit dem Strom treiben, haben keine eigene Meinung und keine Ziele und geben dem Rest der Menschheit Schuld an ihrem Unglück. Ich schwimme nur zu gerne gegen den Strom und ich habe verdammt viel Spaß dabei.

Unsere tiefen, oft verschütteten Wünsche und unsere innere Stimme weisen uns die Richtung, aber nicht den exakten Weg. Klar, hätte ich gerne wie im Navi den kürzesten Weg, aber so funktioniert das Leben eben nicht. Die Richtung mag klar sein, aber das Ziel kann sich verschieben. Deshalb müssen wir uns auf diese Autokorrektur einlassen. Es gibt genügend Menschen, die wissen, dass ich das hasse, wie die Pest, aber ich habe gelernt locker zu bleiben und mich darauf einzulassen.

Auch wenn es mal wieder anders kommt nehme ich die Dinge an und ich genieße sie. Oft sind es Dinge, mit denen ich im Leben nicht gerechnet oder erwartet hätte – quasi ein Geschenk. Du musst das nur erkennen und dich darauf einlassen.

Ich hab dich lieb.

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