Wir sind gut genug

Vieles im Leben behalten wir einfach aus Gewohnheit. Diese Dinge belasten einen, rauben die Lebenslust, deckeln die Persönlichkeit, und lassen einen klein, gewöhnlich und mittelmäßig sein. Dabei sollte das Leben anders sein, leidenschaftlich und gleichzeitig locker. Stark und trotzdem weich. Voller Durchsetzungskraft und natürlicher Autorität und trotzdem nicht unnahbar oder kühl. Einfach und trotzdem immer erfolgreich. Lustig ohne Ende und gleichzeitig nicht naiv. Anziehend und trotzdem nicht der Fußabstreifer von allen. Spontan und trotzdem immer auf den Punkt. Vieles wird für deinen Verstand herausfordernd oder verrückt sein, und manchmal wird man sich ganz fruchtbar ärgern, und am liebsten gegen-argumentieren wollen.

Bevor es also nachher heißt: „Kenn‘ ich, weiß‘ ich, hab‘ ich schon gehört.“, sei gesagt: Von „Kenn‘ ich, weiß‘ ich, hab‘ ich schon gehört.“ hat sich noch niemals auf der Welt etwas verändert. Die Flut an Informationen, die man bereits in seinem Hirn gespeichert hat, ist unendlich groß – verinnerlicht hat man die wenigsten. Würde nämlich „Kenn‘ ich, weiß‘ ich, hab‘ ich schon gehört.“ etwas bringen, würden sich alle an die Richtgeschwindigkeit halten, täglich Sport treiben, keinen Industriezucker konsumieren, ausreichend schlafen und niemals die Kinder anschreien, weil es das eh‘ nix bringt außer schlechter Stimmung daheim: kennt man, weiß man, hat man schon gehört.

Eine einzige Herausforderung, und ein „Kenn‘ ich, weiß‘ ich, hab‘ ich schon gehört.“ nützt einem absolut nichts. Eine einzige auf einen passend zugeschnittene negative Situation, und schon ist man genervt, frustriert, überfordert und allgemein down, alles Scheiße – und das Theorie-Wissen verpufft wie eine Seifenblase.

Was man braucht, ist Bewusstsein. Bewusstsein ist das, was ohne Nachzudenken spontan aus einem herauskommt. Nachts um 3/bei einer blöden WhatsApp/bei leeren Konto: was ist die erste, spontane Reaktion? Das ist das Bewusstsein, also erzähl‘nix von „Weiß“ ich schon.“ Bewusstsein gibt es aber nur durch Wiederholung.

Ob man mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat, erfährt man nicht, wenn man gerade frisch verliebt ist, die Haare perfekt sitzen, man mit seinen Freunden feiert, oder einen neuen Auftrag an Land gezogen hast. Ob man frei von Selbstzweifeln ist, weiß man erst, wenn es nicht läuft.

Vielleicht ist man gerade in einer Situation, in der alles an Umständen und Situationen einen in Frage stellt. Man hat nicht nur eine Herausforderung zu bewältigen, sondern gleichzeitig auch noch Selbstzweifel am Start, die einem glaubwürdig versichern: Weil man „nicht gut genug/nicht talentiert genug/nicht dünn genug/nicht hot genug/nicht fähig genug/nicht liebevoll genug/nicht belastbar genug/keine gute Mutter, usw. ist – deshalb läuft alles schief.“ Und schon sitzt man da, und grübelt, was man an sich verändern sollte, denn offensichtlich ist man selbst das Problem.

Oder vielleicht ist man schon immer umgeben von Umständen und Menschen, die einem vermitteln, dass man irgendwie falsch ist. Irgendwas stimmt nicht mit einem, man ist zu laut, oder zu leise, zu dick oder zu dünn, zu schüchtern oder zu dumm oder zu … – etwas passt nicht. Und zwar nicht nur an der Situation, sondern vor allem einem selbst. Und zwar schon immer. Man Selbst passt grundsätzlich nicht.

Wenn man Selbst der Teufel wäre, dann würde man Folgendes machen:
bei jeder Person, die ein ganz besonderes Talent hat, bei jeder Person, die eine außergewöhnliche Fähigkeit hat, bei jeder Person, die etwas in sich trägt, dass viele Menschen beschenkt, beglückt, freisetzt und nachhaltig verändert, bei jeder Person, die eine Gabe hat, die andere nicht haben, und die allen anderen wiederum Dinge ermöglicht, die vorher nicht möglich waren, bei jeder Person, die enorm wichtig für diese Welt ist, würde man einfach alles an Umständen und Menschen schicken, was nur geht, damit sie niemals das Potenzial entfaltet. Man würde einem mit allem, was nötig ist, vermitteln, dass etwas an einem grundsätzlich nicht stimmt, und so viel Ablehnung, Misstrauen und Selbstzweifel ins Herz streuen, dass man irgendwann gar nicht anders kann, als sich selbst ständig zu hinterfragen, und minderwertig verkümmert oder einfach nur mit sich selbst beschäftig ist oder an sich „arbeitet“.

Wenn man also schon viele Jahre mit Selbstzweifeln zu kämpfen hast, und alle in seiner Nähe einem immer wieder versichert, dass „mit dir etwas nicht stimmt.“, dann stehen die Chancen sehr hoch, dass man es wirklich glaubt.

Aber in Wirklichkeit ist es ganz anders. Denn man ist Selbst die allergrößte Gefahr für den Teufel. Das, was man in sich trägt, ist ein unendlicher Schatz. Jeder ist ein unendlicher Schatz, es ist kostbar und enorm wichtig und hat einen sehr großen Impact. Ganz egal, was einem jemals Gegenteiliges gesagt wurde, ganz egal, was man jemals Gegenteiliges erlebt hat, oder gerade erlebt – alles davon ist Lüge. Es stimmt einfach nicht, dass man falsch ist. Dass es einen Selbst auf diesem Planeten gibt, ist genau richtig.

DU BIST GENAU RICHTIG, und zwar genauso, wie du bist.

Man passt tatsächlich nicht – und zwar passt man nicht zum Mainstream und Mittelmäßigkeit. Man passt nicht zur Schwäche, zum kleinen Denken, zum Bücken, zum unwürdigen, versklavten Leben, welches bestimmt von äußerem Umständen ein ständiges Auf- und Ab ist. Man ist zu kreativ, zu frei, zu einzigartig, zu echt, zu anders – aber dieses Anderssein sollte gewürdigt, geschätzt, hochgehalten und gefeiert werden.

Der wahre Grund, warum man nie gut genug ist, ist nicht, dass man nicht gut genug ist. Der wahre Grund ist, dass an einem etwas so attraktiv, so kostbar, und so außergewöhnlich ist, dass man so interessant für den Gegner ist, dass ihm kein Aufwand zu klein ist, und kein Umstand zu groß, um einen zu stoppen. Wenn man das Gefühl hat, dass man nicht passt, dann stimmt das, weil man dem Teufel nicht passt. Und das kann man fast schon als Kompliment auffassen.

Man muss nichts tun, man braucht einfach nur zu glauben. Wenn also die Selbstzweifel besonders laut schreien, dann ist es ganz wichtig, dass man sich selbst klarmacht, dass alles mit einem Selbst stimmt, man für etwas Schönes und Wichtiges hier ist. Dabei muss man ganz stur bleiben, denn die Selbstzweifel sind nicht stärker als man Selbst.

Bei der Persönlichkeitsentwicklung ist bei uns allen noch viel Luft nach oben. Aber ohne ein tiefes Bewusstsein, dass mit einem alles grundsätzlich stimmt, und man als Person passt, kann man direkt einpacken. Erst ab da kann man überhaupt losgehen, und Dinge ausräumen, die nicht zu einem passen, aber sich als ungebetene Gäste auf deiner Party befinden.

Am Anfang wird man immer mal wieder einknicken, aber das ist überhaupt nicht schlimm, und wird am Anfang eher die Regel sein. Und wenn man morgen nur fünf Minuten lang daran mehr glaubt, als dem anderen Schrott, dann geht es voran. Immer schön Schritt für Schritt. Bewusstsein geht nicht von Jetzt auf Nachher. Und man braucht ganz dringend Bewusstsein darüber, dass die eigene Person unendlich kostbar, wichtig und absolut vollkommen perfekt ist, wie sie ist. Genau im richtigen Alter, genau im richtigen Aussehen, genau in der richtigen Persönlichkeit, genau jetzt passt alles bei einem Selbst.

Du schaffst das – ich glaube an dich!

Schluss mit Warten

Wie man seine Lebensqualität ums Dreifache steigert, mindestens. Täglich erledigt man immer wieder Aufgaben, die einem einfach keinen Spaß machen und trotzdem erledigt werden müssen. Diese Haltung ist noch nicht mal besonders selten. Jeder erledigt täglich routiniert viele Dinge, welche einem nicht die liebsten sind – die meisten können ein Lied davon singen. Das reicht von größeren Aufgaben bis zu ganz kleinen, eher unwichtigen Details, die gemacht werden müssen, aber die im Grunde langweilig, unspektakulär, oder langwierig sind. Notwendig, aber öde.

Als erstes ist es wichtig sich von der romontischen Vorstellung, dass „viele schöne Erlebnisse = glückliches Leben“ zu verabschieden. Currently: Berlin, next: Bombay, neue Designer-Bag/Schuhe, frische Rosen und Champagner, neues Heim, tolles Event, großartiger Urlaub, noch ein tolles Event, Datenight mit dem Traumpartner, wieder ein Urlaub, neues Kind, neues Möbelstück, ein Highlight jagt das nächste – so in etwa stellen die Social Media-Accounts die Idee eines erfüllten, glücklichen Lebens vor. Schnöde Alltagsdetails nicht inbegriffen, das gehört einfach zur Natur der Sache – ein bisschen beeinflußen kann das einen dennoch.

Es stimmt nicht, dass ein glückliches Leben eine Aneinanderreihung aus spektakulären, außergewöhnlichen, abenteuerlichen, unglaublich inspirierenden oder Aufsehen erregenden Augenblicken ist. Das ist einfach nicht wahr.

In absolut jeder Lebensphase, jeder Situation, jedem Job gibt es einige ätzende Details, um die man sich kümmern muss. Kümmert man sich nämlich nicht darum, ist der Misserfolg vorprogrammiert, und das Business ganz schnell out of the Making. Egal, wie berufen man für seine Berufung ist: es wird darin immer einiges vorkommen, dass einem einfach grundsätzlich nicht liegt.

Es kann natürlich sein, dass man irgendwann so viel Geld verdient, dass man für alles unangenehme andere bezahlen kann, die das viel effektiver und sogar lieber als man selbst für einen erledigen. So lange das aber noch nicht der Fall ist – muss man eben die Zähne zusammenbeißen, und durch. Und so lange man nicht von einer Reise-Destination zur nächsten hüpfen, und keinen zum Staubsaugen beauftragen kann – da überwindet man sich, obwohl man keine Lust hat, und zählt die Tage bis zum Urlaub.

Unlust ist leider auch eine Energie. Dass einem manche Tätigkeiten mehr liegen als andere: ganz normal. Dass man bei den eher unangenehmen Pflichten Unlust empfindet: nicht normal. Zugegeben, es wird als normal akzeptiert. Wer darf eigentlich festlegen, bei was man Lustlosigkeit oder Abneigung empfindet? Wer darf darüber bestimmen, was einem Spaß macht, und was nicht? Es gibt so viele Pflichten und so wenig Belohnungen!

Und ich habe für mein Leben festgelegt, dass ich nicht nur dann einen „großartigen Abend“ hatte, wenn ich mich belohnen konnte. Und nicht nur dann einen „perfekten Tag“, wenn ich Dinge tat, die mir eh‘ Spaß machen. Ich habe beschlossen, dass es für mein Leben für jeden Augenblick gelten soll, mir ist meine Zeit für Unangenehmes einfach viel zu schade!

Auf den Abend, das Wochenende, den Urlaub, das nächste Highlight zu warten, kommt mir absolut unpassend vor. Was für eine Verschwendung von Lebenszeit, wenn es doch so viele Notwendigkeiten gibt, die so oder so getan werden müssen. Der Weg daraus ist also nicht: Pflichten minimieren, Belohnungen steigern. Der Weg daraus heißt: absolut jeden Augenblick zu genießen.

Lustlosigkeit ist eine Energie – keine logische, natürliche Folge unangenehmer Dinge, die man tun muss. Man darf sie natürlich behalten, dulden, und weitere 10 Jahre Essen kochen, obwohl man darauf keinen Bock hat – aber man kann sich genauso gut von Lustlosigkeit verabschieden.

Man darf selbstverständlich so viel meckern und sich beschweren, und weiterhin sich nach dem Feierabend sehnen, so viel man mag – man muss nur wissen: alles davon ist das eigene Leben. Nicht nur der Feierabend. Auch der Rest. Das eigene Leben wohlgemerkt – und dafür hat man alleine die Verantwortung. Und Verantwortung haben, bedeutet immer: die Wahl haben. Entweder weiterhin alles ätzend finden, oder eine Entscheidung treffen. So oder so, es gibt nichts dazwischen. 

Schluss mit Warten. Die meisten verbringen ihr ganzes Leben im Wartezimmer.

Sie warten auf den Feierabend, und auf die nächste Staffel der Lieblingsserie. Sie warten auf das Wochenende, auf den Umzug, und auf den Jahresurlaub. Sie warten, bis sie schwanger sind, dann warten sie auf das zweite Kind, und dann, bis die Kinder größer sind, weil sie dann mit ihnen viel mehr unternehmen können, und später warten sie, bis die Trotzphase und Pubertät vorbeigeht, und bis die Kinder ausziehen. Sie warten auf ihren Geburtstag, und auf die nächste Bundesligasaison. Sie warten, bis sie den Auftrag endlich abgeschlossen haben, und dann warten sie auf den nächsten. Sie warten auf den Traumpartner, und dann auf den Antrag, und dann darauf, dass der Partner sich ändert. Sie warten auf den besseren Job oder auf Ruhm und Fame, oder dass das Studium geschafft ist. Sind sie im Zug, warten sie aufs Ankommen, und im Café warten sie, bis die Verabredung endlich erscheint, im Supermarkt, bis sie in der Schlange endlich dran sind, und beim Zähneputzen, bis das Zähneputzen endlich zu Ende ist.

Ein Glück gibt es Smartphones, die einem die Zeit auf’s Warten vertreiben – sonst würde man womöglich merken, dass man ständig wartet. Ich will das nicht. Ich will nicht auf den Abend warten, weil dann Besuch kommt, oder auf den Sonntag, weil da mein Lieblingsflohmarkt stattfindet. Das ist einfach unter meiner Würde.

Das Wochenende zum Beispiel macht grob gerechnet 1/3 der Woche aus – also 1/3 deines Lebens insgesamt. Wenn man also ab sofort nicht mehr auf’s Wochenende wartet, sondern in jedem Augenblick so lebt und genießt, als ob er der Schönste und Intensivste wäre, dann steigert man seine Lebensqualität auf einen Schlag ums Dreifache. Ums Dreifache. Einfach so, obwohl kein Highlight stattfindet, man nichts erbt, keine wunderschöne WhatsApp bekommt, und auch sonst alles an Umständen gleich bleibt.

Man hat bereits, was man will. Wenn man nicht mehr warten oder lustlos irgendwelche Dinge erledigen will, dann kann einen keiner dazu zwingen. Keiner kann machen, dass man sich lustlos fühlt, wenn man sich nicht lustlos fühlen will. Keiner kann machen, dass man sein Leben im Wartezimmer verbringt, wenn man nicht ständig auf das nächste Highlight warten will.

Aber man sollte sich nichts vormachen, denn den meisten ist dieser Lifestyle so sehr vertraut, dass es einem nicht einmal auffällt! Und genau deswegen muss man ganz bewusst eine Entscheidung treffen. Man entscheidest sich also: „Ich genieße absolut jede Sekunde meines Tages – und warte nicht, bis die unangenehme Aufgabe endlich vorbei ist. Ich will überhaupt nicht mehr warten. Auf nichts mehr.“

Und dann wird einem erstmal ständig auffallen, wie viel einem unangenehm ist, und wie oft man wartet! Und das ist das allerbeste Zeichen überhaupt, und ein sehr sicheres Indiz dafür, dass die Veränderung gerade losgeht. Es wird garantiert einige Zeit brauchen, bis es einem ins Fleisch und Blut übergeht. Sobald man sich also dabei ertappt, wird man wieder eine Entscheidung treffen: genau jetzt und in dieser Situation zu genießen, und zwar so sehr, wie man nur kann.

Die Aufgabe kann überhaupt nichts dafür, dass man sie ätzend findet – man kannst sich einfach dafür entscheiden, sie nicht ätzend zu finden. Wenn es an der Situation wenig bis nichts Attraktives gibt, genießt man einfach: Sich selbst.

Egal, wie lahm, unattraktiv oder mühsam eine Aufgabe ist, man muss sich immer wieder bewußt machen, dass es immer und überall schön ist.

Und auch, wenn das ungewohnt, oder sogar befremdlich klingt – darin steckt ganz viel Tiefe. Man selbst wird es immer und in jeder Situation dabei haben: in den schönen Highlights, und in den augenscheinlich langweiligen, unspektakulären Dingen. Das Leben ist zu kurz und zu kostbar dafür, dass man nur die tollen Erlebnisse genießt. Oder auf das nächste großartige Ereignis wartet, und sei es nur das Treffen mit dem besten Freund heute Abend. Jeder kann jetzt entscheiden, dass die Zeit bis man seinen Freund trifft, die allerschönste und beglückendste ist. Ohne ständig auf die Uhr zu schauen, wann es denn so weit ist. Auf einen Schlag wird man unendlich mehr Lebensqualität haben!

Also die Dinge einfach genießen – immer!