Wenn sie dich ärgern

Was man tun kann, wenn man ungerecht behandelt wird. Denn das Gerechtigkeits-Bewusstsein ist tief in jedem Menschen verankert:
Man bekommt, was man verdient. Zahn um Zahn, Auge um Auge. Wie du mir, so ich dir. Karma is a bitch, Strafe muss sein.

Die Folgen dieses Bewusstseins sind viel gravierender, als man glaubt, und reichen von jahrelangen Zwistigkeiten innerhalb des engsten Familienkreises bis zu jahrhundertelangen, blutigen Kriegen. Damit sich nicht alle im Überschwang ihrer Emotionen die Köpfe einschlagen, gibt es Gesetze und Regeln, nach denen man sich gesellschaftlich richtet. Und das muss auch unbedingt so sein, denn sonst gibt es Sodom und Gomorra, kennt man ja. Allerdings gibt es im Alltag immer wieder unzählige Situationen, die zwar nicht unbedingt gesetzes- oder verfassungswidrig, und damit direkt strafbar, aber dennoch unfassbar ungerecht sind. Oder aber sie sind offensichtlich kriminell, aber es gibt keine Möglichkeit, sich Gerechtigkeit zu verschaffen. Verstößt in den eigenen Augen etwas gegen diese Gerechtigkeit, und die Folge trifft womöglich einen selbst, dann leidet man sehr. Es ist einfach nicht richtig!

Man braucht also nicht überrascht sein, denn eins ist mal sicher. Die Welt ist unfair. Fairerweise zu jedem. Situationen, in denen man durch andere ungerecht behandelt wird, werden noch oft passieren. Jedem von uns. (Ex-)Partner, Vorgesetzte, Kollegen, Freunde, Geschäftspartner, Eltern oder Kinder – sie alle werden Dinge tun oder sagen, die so unglaublich ungerecht und gemein sind, dass man es kaum glauben kann. Man sollte deshalb also nicht jedes mal vollkommen entsetzt oder am Boden zerstört oder fassungslos sein.

Man hat nicht unbedingt etwas falsch gemacht, es nicht „verdient“, und es passiert nicht nur einem Selbst. Die Welt ist schlecht, der Teufel ist böse. Absolut jeder hat schon Ungerechtigkeit erlebt, oder wird es noch erleben, und zwar immer wieder mal. Wenn man das also nicht gleich als Weltuntergang oder Desaster sieht, bleibt man ruhiger, und kann klare Entscheidungen treffen.

Die eigenen Gefühle werden laut schreien und der Verstand wird sich mit so großartigen Argumenten überschlagen, dass jede Politikerrede dagegen wie ein DM-Haul auf YouTube wirkt. Wie konnte er nur, und wie gemein ist das denn bitte, und wie unfair wurde ich behandelt, und dabei hatte man es nur gut gemeint, und wie konnte er nur.

Man darf sich schlechtfühlen, jammern, weinen und sich einfach mal gehen lassen – aber nur einen Tag lang. Das ist wichtig und es gehört zum Prozess dazu. Wut, Frust, Tränen und das Leid sind nachvollziehbar und jeder weiß, dass es heftig und schlimm sein kann. Das ist alles nachvollziehbar.

Aber danach steht man wieder auf und trifft eine Entscheidung. Damit mobilisiert man die gesamte Energie, die einem zur Verfügung steht und richtet sie auf den Neuanfang. Und der wird gut!

Sind tatsächlich Dinge vorgefallen, die strafbar sind, dann sollte man rechtliche Schritte unternehmen – man muss sich nicht alles gefallen lassen. Gott sei Dank leben wir in einem Rechtstaat, und die Rechtsprechung steht einem zur Verfügung.

Aber man wird dadurch leider gedanklich in dieser Sache wieder involviert sein. Und wo Gedanken, da Gefühle – und zwar keine positiven, denn genau deswegen geschah doch das ganze Leid. Nicht schön, aber Augen zu und durch. Selbst, wenn du gerichtlich Recht zugesprochen bekommst,sollte man sich wirklich überlegen, ob es die ganze Sache wirklich wert ist. Denn hinterher muss man sich oft weiter mit der Person oder auch dem Umfeld auseinandersetzen. Allerdings wird man manchmal trotzdem kein Recht bekommen, denn die Rechtsprechung ist zuweilen etwas kompliziert und die Entscheidung liegt immer im Ermessens des Richters. Nicht jeder, der Recht hat, bekommt es auch. Das ist dann zwar frustrierend, trotzem wird man es überwinden.

Jeder Fall ist anders. Doch sollte man immer bedenken, dass einem Keiner schaden kann. Es mag zwar so aussehen, sich anfühlen, und alles an Umständen momentan genau das Gegenteil bezeugen. Denn ganz egal, wie himmelschreiend hoch die Ungerechtigkeit sein mag, und wie böse, gemein und hinterhältig die Absichten der anderen – verlässt man sich auf die Liebe, wird man hinterher nur noch schöner, stärker und strahlender sein, denn jemals zuvor. Es wird alles super.

Man darf selbstverständlich weiterhin glauben, dass einem geschadet wurde – aber dann wird alles sehr, sehr anstrengend und frustrierend sein. Über Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. Man wird sehr viel Zeit, Energie und eventuell Geld darauf verwenden, Gerechtigkeit zu erlangen – ist es nicht viel, viel schöner, seine Zeit, Energie, Geld in etwas Neues, Großes, Starkes, Inspirierendes zu investieren? Einen Weg, der weit über all dieses Kämpfen und Hadern und Verzweifeln und sich selbst Bemitleiden geht.

Die eigene Würde behalten, ganz egal, wie ungerecht die Situation auch war.
Wir laufen und weinen nie jemandem hinterher, der uns nicht haben will, uns offensichtlich ablehnt, oder allgemein schlecht behandelt. Wir biedern uns keinem an, der uns nicht respektiert, betreiben keine „Selbstaquise“, und haben keine Angst, dass wir zu Kurz kommen, oder etwas Wichtiges verpassen. Auch wenn es zunächst so aussieht.

Vertrauen darauf, dass sich alles zum Vorteil wendet. Wer sich auf die Liebe verlässt, ist niemals der Arsch. Und der Weg dorthin führt nicht über Vergeltung – so sehnlichst man diese auch gerade im Augenblick wünschen mag. Der Weg dahin führt nur und auschließlich über das Vertrauen in die Liebe und das Leben.

Die Liebe hat Mittel, Wege und Möglichkeiten, von denen man in der momentanen Situation noch nicht mal den leisesten Schimmer hat – alles perfekt passend für einen vorbereitet. Alles das steht bereits in den Startlöchern, und wird einem regelrecht zufallen. Während man gerade noch heult und sich selbst unendlich leid tut, und mit sich hadert, ist alles bereits wie ein roter Teppich, auf dem einem alles zu Füßen liegt, ausgerollt, und wartet nur auf einen! Menschen, Aufträge, Chancen, Ideen, Erlebnisse, Gelegenheiten, Abenteuer: alles perfekt passend für einen vorbereitet.

Sich die eigenen Hände nicht schmutzig machen. Die Versuchung, sich selbst Recht zu verschaffen, ist groß. Man könnte doch einfach selber ein bisschen manipulieren, oder hinter den Kulissen tricksen? Man könnte hier anrufen, und dann mit dem reden, und vielleicht kann der andere ein gutes Wort einlegen, und dann wendet sich alles zu deinem Vorteil? Oder man legt bestimmte Verhaltensweisen an den Tag, um etwas zu erreichen, denn wenn andere damit „Erfolg“ hatten, dann kann man auch mal zum Arschloch werden? Man könnte sich Strategien überlegen, und irgendwelche Tricks anwenden, damit alles hinterher…

Vergiss‘ es. Wir sind zu edel für so einen Scheiß. Größe. Würde. Stärke. Schönheit. Immer edel, immer reinen Herzens, immer aufrichtig, immer so, dass du dir selbst in die Augen schauen kannst. Man braucht nicht kämpfen für sein Recht. Man braucht seinen Ruf nicht wiederherstellen, und überall allen beweisen, wie großartig man ist. Man lässt es los, und schaut zu, wie die Liebe alles regelt. Und die macht das. Verrückt, aber wahr.

Wie wenn Gott schwächer als der Teufel, die Liebe schwächer als der Hass, die Wahrheit schwächer als die Lüge wäre! Der Teufel istimmer böse, das liegt in der Natur der Sache – aber die Liebe ist immer stärker, das liegt auch in der Natur der Sache! Bleib einfach in der Liebe. Bleib dabei. Mögen die Tränen noch fließen, die Stimme noch zittern, und die Gefühle noch Karussell fahren. Vertrau der Liebe. Alles wird sich zum Vorteil ändern.

Die Vergeltung vergessen. Das Leben ist niemals Zahn um Zahn, Rache ist nicht süß, sondern bitter und inakzeptabel obendrauf. Jede Art von Schadenfreude und Genugtuung, so befriedigend sie für den Augenblick sein mögen, ist klein, mies, hässlich und passt nicht zu einem. Selbst, wenn die anderen es noch so sehr „verdient“ hätten – man ist nicht auf dieser Welt, um zu richten, sondern um zu lieben.

Du bist zu groß für so etwas.
Zu groß.
Zu großartig.

In der Liebe ist es nämlich so, man überlässt ihr den ganzen ungerechten Kram, und kann stattdessen seine gesamte Energie auf etwas Kreatives, Erfolgreiches und Schönes konzentrieren. Man atmet tief durch, schüttelt sein Haar, und entscheidet sich, dass nichts die Leichtigkeit, die Lebensfreude und die Scheinkraft noch länger trüben darf. Man lässt sich nicht länger mit „Wie konnte er nur?“ und „Wieso musste das passieren?“ beschäftigen. Nichts kann einen stoppen, nichts kann einen dauerhaft aufhalten oder depressiv machen. Man lässt den Umstand schreien, vertraut so fest, dass es kracht, und steckt sein Näschen in die Sonne. Man genießt jede Sekunde mit einem so sehr wie noch nie zuvor, wissend dass für das Recht gerade gesorgt wird.

Mach dein Ding und lass dich von Niemandem aufhalten!