Schluss mit Warten

Wie man seine Lebensqualität ums Dreifache steigert, mindestens. Täglich erledigt man immer wieder Aufgaben, die einem einfach keinen Spaß machen und trotzdem erledigt werden müssen. Diese Haltung ist noch nicht mal besonders selten. Jeder erledigt täglich routiniert viele Dinge, welche einem nicht die liebsten sind – die meisten können ein Lied davon singen. Das reicht von größeren Aufgaben bis zu ganz kleinen, eher unwichtigen Details, die gemacht werden müssen, aber die im Grunde langweilig, unspektakulär, oder langwierig sind. Notwendig, aber öde.

Als erstes ist es wichtig sich von der romontischen Vorstellung, dass „viele schöne Erlebnisse = glückliches Leben“ zu verabschieden. Currently: Berlin, next: Bombay, neue Designer-Bag/Schuhe, frische Rosen und Champagner, neues Heim, tolles Event, großartiger Urlaub, noch ein tolles Event, Datenight mit dem Traumpartner, wieder ein Urlaub, neues Kind, neues Möbelstück, ein Highlight jagt das nächste – so in etwa stellen die Social Media-Accounts die Idee eines erfüllten, glücklichen Lebens vor. Schnöde Alltagsdetails nicht inbegriffen, das gehört einfach zur Natur der Sache – ein bisschen beeinflußen kann das einen dennoch.

Es stimmt nicht, dass ein glückliches Leben eine Aneinanderreihung aus spektakulären, außergewöhnlichen, abenteuerlichen, unglaublich inspirierenden oder Aufsehen erregenden Augenblicken ist. Das ist einfach nicht wahr.

In absolut jeder Lebensphase, jeder Situation, jedem Job gibt es einige ätzende Details, um die man sich kümmern muss. Kümmert man sich nämlich nicht darum, ist der Misserfolg vorprogrammiert, und das Business ganz schnell out of the Making. Egal, wie berufen man für seine Berufung ist: es wird darin immer einiges vorkommen, dass einem einfach grundsätzlich nicht liegt.

Es kann natürlich sein, dass man irgendwann so viel Geld verdient, dass man für alles unangenehme andere bezahlen kann, die das viel effektiver und sogar lieber als man selbst für einen erledigen. So lange das aber noch nicht der Fall ist – muss man eben die Zähne zusammenbeißen, und durch. Und so lange man nicht von einer Reise-Destination zur nächsten hüpfen, und keinen zum Staubsaugen beauftragen kann – da überwindet man sich, obwohl man keine Lust hat, und zählt die Tage bis zum Urlaub.

Unlust ist leider auch eine Energie. Dass einem manche Tätigkeiten mehr liegen als andere: ganz normal. Dass man bei den eher unangenehmen Pflichten Unlust empfindet: nicht normal. Zugegeben, es wird als normal akzeptiert. Wer darf eigentlich festlegen, bei was man Lustlosigkeit oder Abneigung empfindet? Wer darf darüber bestimmen, was einem Spaß macht, und was nicht? Es gibt so viele Pflichten und so wenig Belohnungen!

Und ich habe für mein Leben festgelegt, dass ich nicht nur dann einen „großartigen Abend“ hatte, wenn ich mich belohnen konnte. Und nicht nur dann einen „perfekten Tag“, wenn ich Dinge tat, die mir eh‘ Spaß machen. Ich habe beschlossen, dass es für mein Leben für jeden Augenblick gelten soll, mir ist meine Zeit für Unangenehmes einfach viel zu schade!

Auf den Abend, das Wochenende, den Urlaub, das nächste Highlight zu warten, kommt mir absolut unpassend vor. Was für eine Verschwendung von Lebenszeit, wenn es doch so viele Notwendigkeiten gibt, die so oder so getan werden müssen. Der Weg daraus ist also nicht: Pflichten minimieren, Belohnungen steigern. Der Weg daraus heißt: absolut jeden Augenblick zu genießen.

Lustlosigkeit ist eine Energie – keine logische, natürliche Folge unangenehmer Dinge, die man tun muss. Man darf sie natürlich behalten, dulden, und weitere 10 Jahre Essen kochen, obwohl man darauf keinen Bock hat – aber man kann sich genauso gut von Lustlosigkeit verabschieden.

Man darf selbstverständlich so viel meckern und sich beschweren, und weiterhin sich nach dem Feierabend sehnen, so viel man mag – man muss nur wissen: alles davon ist das eigene Leben. Nicht nur der Feierabend. Auch der Rest. Das eigene Leben wohlgemerkt – und dafür hat man alleine die Verantwortung. Und Verantwortung haben, bedeutet immer: die Wahl haben. Entweder weiterhin alles ätzend finden, oder eine Entscheidung treffen. So oder so, es gibt nichts dazwischen. 

Schluss mit Warten. Die meisten verbringen ihr ganzes Leben im Wartezimmer.

Sie warten auf den Feierabend, und auf die nächste Staffel der Lieblingsserie. Sie warten auf das Wochenende, auf den Umzug, und auf den Jahresurlaub. Sie warten, bis sie schwanger sind, dann warten sie auf das zweite Kind, und dann, bis die Kinder größer sind, weil sie dann mit ihnen viel mehr unternehmen können, und später warten sie, bis die Trotzphase und Pubertät vorbeigeht, und bis die Kinder ausziehen. Sie warten auf ihren Geburtstag, und auf die nächste Bundesligasaison. Sie warten, bis sie den Auftrag endlich abgeschlossen haben, und dann warten sie auf den nächsten. Sie warten auf den Traumpartner, und dann auf den Antrag, und dann darauf, dass der Partner sich ändert. Sie warten auf den besseren Job oder auf Ruhm und Fame, oder dass das Studium geschafft ist. Sind sie im Zug, warten sie aufs Ankommen, und im Café warten sie, bis die Verabredung endlich erscheint, im Supermarkt, bis sie in der Schlange endlich dran sind, und beim Zähneputzen, bis das Zähneputzen endlich zu Ende ist.

Ein Glück gibt es Smartphones, die einem die Zeit auf’s Warten vertreiben – sonst würde man womöglich merken, dass man ständig wartet. Ich will das nicht. Ich will nicht auf den Abend warten, weil dann Besuch kommt, oder auf den Sonntag, weil da mein Lieblingsflohmarkt stattfindet. Das ist einfach unter meiner Würde.

Das Wochenende zum Beispiel macht grob gerechnet 1/3 der Woche aus – also 1/3 deines Lebens insgesamt. Wenn man also ab sofort nicht mehr auf’s Wochenende wartet, sondern in jedem Augenblick so lebt und genießt, als ob er der Schönste und Intensivste wäre, dann steigert man seine Lebensqualität auf einen Schlag ums Dreifache. Ums Dreifache. Einfach so, obwohl kein Highlight stattfindet, man nichts erbt, keine wunderschöne WhatsApp bekommt, und auch sonst alles an Umständen gleich bleibt.

Man hat bereits, was man will. Wenn man nicht mehr warten oder lustlos irgendwelche Dinge erledigen will, dann kann einen keiner dazu zwingen. Keiner kann machen, dass man sich lustlos fühlt, wenn man sich nicht lustlos fühlen will. Keiner kann machen, dass man sein Leben im Wartezimmer verbringt, wenn man nicht ständig auf das nächste Highlight warten will.

Aber man sollte sich nichts vormachen, denn den meisten ist dieser Lifestyle so sehr vertraut, dass es einem nicht einmal auffällt! Und genau deswegen muss man ganz bewusst eine Entscheidung treffen. Man entscheidest sich also: „Ich genieße absolut jede Sekunde meines Tages – und warte nicht, bis die unangenehme Aufgabe endlich vorbei ist. Ich will überhaupt nicht mehr warten. Auf nichts mehr.“

Und dann wird einem erstmal ständig auffallen, wie viel einem unangenehm ist, und wie oft man wartet! Und das ist das allerbeste Zeichen überhaupt, und ein sehr sicheres Indiz dafür, dass die Veränderung gerade losgeht. Es wird garantiert einige Zeit brauchen, bis es einem ins Fleisch und Blut übergeht. Sobald man sich also dabei ertappt, wird man wieder eine Entscheidung treffen: genau jetzt und in dieser Situation zu genießen, und zwar so sehr, wie man nur kann.

Die Aufgabe kann überhaupt nichts dafür, dass man sie ätzend findet – man kannst sich einfach dafür entscheiden, sie nicht ätzend zu finden. Wenn es an der Situation wenig bis nichts Attraktives gibt, genießt man einfach: Sich selbst.

Egal, wie lahm, unattraktiv oder mühsam eine Aufgabe ist, man muss sich immer wieder bewußt machen, dass es immer und überall schön ist.

Und auch, wenn das ungewohnt, oder sogar befremdlich klingt – darin steckt ganz viel Tiefe. Man selbst wird es immer und in jeder Situation dabei haben: in den schönen Highlights, und in den augenscheinlich langweiligen, unspektakulären Dingen. Das Leben ist zu kurz und zu kostbar dafür, dass man nur die tollen Erlebnisse genießt. Oder auf das nächste großartige Ereignis wartet, und sei es nur das Treffen mit dem besten Freund heute Abend. Jeder kann jetzt entscheiden, dass die Zeit bis man seinen Freund trifft, die allerschönste und beglückendste ist. Ohne ständig auf die Uhr zu schauen, wann es denn so weit ist. Auf einen Schlag wird man unendlich mehr Lebensqualität haben!

Also die Dinge einfach genießen – immer!

Statt harter Worte – Vergebung

Vergebung ist eins der am meisten unterschätzten und falsch verstandenen Themen überhaupt. Es ist weder lahm noch langweilig, sondern eine absolut effektive und mächtige Waffe, die negative Einflüsse aus dem Leben für immer entfernt, und einen am Ende als Gewinner dastehen lässt.

Vergebung betrifft jeden. Die Welt ist böse, den Teufel gibt’s. Es ist nicht alles Liebe, und wer das behautet, hängt einer romantisierten Wunschvorstellung nach. Denn es gibt Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen oder verlassen. Es gibt Partner, die betrügen, verletzen und misshandeln. Es gibt Freunde, die verleumden und das Vertrauen missbrauchen. Es gibt Menschen, die Böses tun, um anderen Schaden zuzufügen, manche unbewusst, manche mit voller Absicht. Und höchstwahrscheinlich hat jeder etwas davon schon mal erlebt. Und es wird wieder passieren, so sehr man sich das Gegenteil auch wünschen würde.

Solche Erfahrungen sind nicht nur enorm schmerzhaft im Augenblick, sondern haben oft Konsequenzen, die weit in die Zukunft hineinreichen.
Manche böse Handlung tut nicht nur momentan weh, sondern hinterlässt tiefe Wunden. Manche Verletzung bewirkt konkrete Veränderungen im Leben. Machmal entsteht tatsächlicher Schaden, der Auswirkungen auf das gesamte Leben hat, sei es familiär, sei es finanziell, sei es umständemäßig, beziehungstechnisch: so richtig konkret praktisch. Weit über das Weinen und das gebrochene Vertrauen hinaus muss man eventuell mit großen Lebensveränderungen zurecht kommen – und das nicht, weil man es so entschieden hat und so wollte, sondern weil die böse Handlung von jemand anderem einem keine Wahl lässt.

Das ist dann ganz besonders ungerecht, und schreit geradezu nach Vergeltung. Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit ist in jedem tief ausgeprägt, und damit es nicht mehr so weh tut, würden wir am liebsten dem anderen Schmerz zufügen, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Oder ihm zumindest für den Rest unseres Lebens hassen, wenn man es ihm schon nicht direkt heimzahlen kann. Die Verletzung tut immer weh, ganz egal, wie lange sie her ist – manchmal verdrängt man sie, und erlebt sie mit einer ungeahnten Heftigkeit bei einem Aufeinandertreffen oder ähnlichem Erlebnis.

Der Vorwurf, der Schmerz, die Wut, der Hass sind ständige Begleiter – bis hin zur vollkommen Verbitterung und negativen Persönlichkeitsveränderung.

Vergebung ist die einzige Option. Denn Vergebung hat nichts mit der anderen Person, sondern nur mit dir selbst zu tun. Die andere Person war böse – das war ihr Part. Darüber hast man keine Kontrolle, aber über das eigene Leben. Wenn man der Person nicht bewusst vergibt, wird ein Teil dieser zerstörerischen, verletzenden Energie für immer ein Teil bleiben. Man erlaubt, dass dieser Schmerz einen Raum in seinem Herzen, seinen Gefühlen und seinem Körper bekommt. Und dieser Schmerz richtet Schaden an.

Eine Verletzung und die darauf folgende Unvergebenheit ist immer eine Öffnung für eine zerstörerische Energie – bzw. der Versuch, durch diese Zerstörung sein Leben für immer negativ zu prägen. Es ist wie eine Tür, durch die negative Gedanken und Gefühle ungefragt rein und rausspazieren werden. Und diese Gedanken und Gefühle werden einen quälen, einem das Leben schwer machen, wichtige, zukünftige Entscheidungen negativ beeinflußen und werden einen niemals freiwillig verlassen. Dafür ist der Einfluß auf das Leben viel zu effektiv. Unvergebenheit ist das Tool schlechthin, um einen fertig zu machen. Und zwar nicht ein mal, sondern dauerhaft.

Das Eine ist, was einem passiert ist – das war schlimm, keine Frage.
Das Andere ist, was Unvergebenheit anrichtet – das ist absolut zerstörerisch und hochgefährlich. Eine Verletzung, die über eine lange Zeit nicht vergeben wird, verwandelt sich in Bitterkeit. Bitterkeit ist ein Gefängnis, welches nicht nur emotionale, sondern konkrete körperliche Folgen hat: Schlafstörungen, Magen-Darmprobleme, Essstörungen, usw.

Vergebung ist pure Machtausübung. „Das verzeihe ich dir NIE.“ klingt so überlegen und so hart. Dabei hat der Teufel genau das erreicht, was er wollte: er hat dauerhaft seinen widerlichen Samen in einen hineingeplatzt, der einen nach und nach von innen vergiften wird. Er wird einem die ganze innere Schönheit und seine Leichtigkeit rauben, die Unbeschwertheit und das Glück trüben. Man wird dann immer diejenige sein, dem übel mitgespielt wurde, dem Schlimmes wiederfahren ist, der belogen und betrogen wurde.

Unvergebenheit ist Ohnmacht. Vergebung ist bewusstes Handeln. Vergebung ist ein nicht zulassen, dass der Giftpfeil ins Ziel trifft – schlimm genug, dass er abgeschossen wurde. Zu verzeihen, heißt nicht, dass man das, was passiert ist, legitimiert oder abschwächt. Es heißt nur, dass man auf sein Recht auf Vergeltung und Wiedergutmachung und Nachtragen verzichtest, um des eigenen Glückes willen. Nicht wegen der anderen Person, wegen einem selbst.

Wenn man vergibt, lässt man nicht zu, dass diese Enttäuschung/Verletzung einen Tag länger die Gedanken und Gefühle vergiftet, die Persönlichkeit zerstört und einen fertig macht. Wenn man vergibt, nimmst man der Waffe, die auf einen abgefeuert wurde, die Munition. Vielmehr richtest man zielsicher die Waffe gegen den Teufel, indem man sagt: „Schau an: Es war dazu gedacht, dass ich eine gebrochene, verletzte und verbitterte Person werde. Aber ich vergebe. Du kannst mir gar nichts.“

Wenn man der Person, die einen so verletzt hat, und einem so viel Böses zugefügt hat, vergibt, wird diese Situation keine negativen Auswirkungen auf die eigene Persönlichkeit haben.

Vergebung hat nichts damit zu tun, dass man den Schmerz nicht mehr fühlt. Keine Verletzung wird mit der Zeit einfach so schwächer, darauf kann man lange warten. Sie wird höchstens nicht mehr so präsent, kann aber ihre zerstörerische Wirkung ungeachtet weiter entfalten.

Vergebung ist eine Entscheidung. Absolut freiwillig. Niemals unter Zwang.
Ja, Vergebung kostet vielleicht Überwindung, aber Unvergebenheit kostet einen sein Leben. Man erkennt, was hinter den Kulissen (= im Herzen) passiert, übernimmt man Verantwortung für sein Leben. Das ist eine der mächtigsten und weitreichendsten Entscheidungen, die man jemals für sein Leben treffen kann. Der Schmerz wird dann ganz von alleine verschwinden. Und nie mehr wiederkommen

Natürlich fällt es einem emotional leichter, loszulassen, wenn der Schuldige das, was er einem angetan hat, bereut und das zum Ausdruck bringt. Aber darauf sollte man nicht warten. Die Entscheidung, der Person die Schuld innerlich zu erlassen, hat nichts mit ihrem Verhalten und alles mit der eigenen, inneren Gesundheit zu tun.

Entweder du hältst es der Person vor, lebst mit den Konsequenzen, die das dann jahrelang für einen hat, und räumt der Person daraufhin ganz schön viel Macht über sein Leben ein. Oder man verzeiht für immer, und übt damit selbst Macht aus. Zu Vergeben heißt nicht, dass man weiterhin Umgang mit der Person hat oder sie jemals wiedersehen muss. Vor allem nicht, wenn keine Änderung ihrerseits in Sicht ist – das würde bedeuten, sich immer und immer wieder erneut den Verletzungen auszusetzen. Das wäre das Dümmste überhaupt. Allerdings ist Vergebung so mächtig, dass theoretisch ein erneuter Umgang jederzeit möglich wäre – das macht aber tatsächlich nur Sinn, wenn sich derjenige wirklich geändert hat.

Man kannt sich von Menschen trennen und ihnen trotzdem vergeben haben. Das hat etwas mit Selbstwürde und Selbstrespekt zu tun. Oft genug ist erst eine Verletzung der ausschlaggebende Grund zu einer Trennung, die eigentlich schon längst fällig war. Wenn man jetzt noch der Person vergibt, wird man sehen, dass es einen in Wahrheit weiter gebracht hat, statt zurückgeworfen.

Man sollte nicht warten, sondern sofort handeln. Auf der Stelle. Jeder Tag ohne dieses Gift ist ein Gewinn für einen. Und dann bleibt man dabei. Und schickt vehement alles weg, was einem erneut erklären will, warum es doch so schlimm war, und man jedes Recht auf’s Verletztsein hat. Vergebung ist pure Heilung, echte Machtausübung, die Befreiung aus dem inneren Gefängnis. Vergebung ist Größe und Stärke.

Du schaffst das.

Sich den Herausforderungen stellen

Bin ich bereit dazu? Diese Frage kann man sich jeden Tag aufs Neue stellen und man hat jeden Tag die Möglichkeit sich zu verändern. Jeden Tag hat man die Chance sich und sein Leben immer wieder ein Stück besser zu machen und sich zu entwickeln.

Es ist immer wieder die Frage was man sein will: eine faszinierende Persönlichkeit oder ein Trauerkloß, der in seinem Laden sitzt und sich selbst bedauert.

Doch wird durch die Medien meistens ein vollkommen falsches Bild von großartigen Persönlichkeiten transportiert, denn dort ist Ruhm und/oder Erfolg gleichzusetzen mit bewundernswertem Charakter. Seit Social-Media reicht dafür übrigens ausschließlich zweifelhafter Ruhm und das Ganze läuft auf einem noch niedrigeren Level. Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad wird man angehimmelt, bewundert und beklatscht – sogar dann, wenn man die Persönlichkeit einer Socke hat.

Und selbst die Großen und Erfolgreichen der Geschichte haben abseits ihres Erfolges teilweise ein solches mieses Wesen und ein solch fruchtbares Leben, dass man das kalte Grauen bekommt, sobald man etwas hinter die Kulissen schaut. Da Draußen ist oft Geld + Macht = Persönlichkeit, und das ist eine riesige Täuschung.

Ruhm und Erfolg an sich ist nichts Verkehrtes oder Negatives, ganz im Gegenteil – aber er beschert dir nicht automatisch eine großartige Persönlichkeit, einen starken Charakter oder ein anziehendes Wesen.

Zu einer Persönlichkeit wird man erst, wenn man inmitten von Schwierigkeiten und Herausforderungen sich immer wieder entscheidet. Gegen Bitterkeit und für Vergebung, gegen Angst und für Vertrauen, gegen Traurigkeit, Entmutigung und Frust und für‘s Dranbleiben, Weitermachen und Durchziehen. Gegen „Ich kann‘s nicht, ich schaff‘s nicht, das ist mir zu viel, ich gebe auf.“ und für „Jetzt werde ich gerade erst warm.“

Keiner mag Herausforderungen, und am liebsten wäre es uns, wenn alles immer glatt laufen würde, das ist klar. Aber erst dann hat man überhaupt die Chance, sich wirklich zu entscheiden. Menschen, bei denen alles immer gut läuft, sind leider meist auch strunzlangweilig. Das liegt daran, dass sie niemals die Chance hatten, echte Substanz zu bilden, Stehvermögen, Entschlossenheit, Unerschrockenheit, Personality eben.

Ja, das Leben auf der Couch ist einfacher und es geht nicht darum, viele
Schwierigkeiten zu haben – sich in Schwierigkeiten zu manövrieren kann jeder Depp. Es geht darum, angesichts von Herausforderungen sich immer und immer wieder zu entscheiden. Und dass diese Entscheidungen nicht ganz so easy sind, ist absolut klar!

Man kann Hunderte Schwierigkeiten haben – wenn man seine Entscheidungen nicht trifft, wird man einfach nur verbittert, misstrauisch oder griesgrämig. Das ist ganz sicher nicht faszinierend. Herausforderungen bringen einen kein Stück weiter, außer, man
überwindet sie, und lässt sich nicht durch sie überwinden.

Die Schwierigkeiten, die die eigene Persönlichkeit bilden, müssen größer sein, als das, was man momentan packt. Manche heulen schon beim kleinsten Problem, haben schlaflose Nächte bei Belanglosigkeiten, sind Down beim geringsten Widerstand – aber darum geht es nicht. Es muss sich so anfühlen, dass man denkt: „Das war’s. Ich kann nicht mehr. Ich gebe auf. Alles geht den Bach runter. Mein Leben ist wertlos. Alles macht keinen Sinn.“ Es muss einen eigentlich überfordern.

Genau an diesem Punkt ist das Potenzial zur allergrößten Persönlichkeitsentfaltung des eigenen Lebens. Denn genau jetzt kann man sich entscheiden, was man eigentlich will in seinem Leben. Wohlgemerkt, man kann – müssen tut man das nicht. Man kann den Dingen auch immer wieder ausweichen und alles vermeiden, was schwierig ist. Schließlich machen das alle anderen ja auch so. Das ist immer die einfachste Lösung, bietet sich auf einem Silbertablett an, der Teufel argumentiert immer hervorragend, das muss man ihm lassen.

Aber will man jemand von der breiten Masse sein? Will man im Mittelmaß fischen, ein mittelmäßiges Leben haben, eine mittelmäßige Partnerschaft, mittelmäßiges Einkommen, mittelmäßige Beziehungen, mittelmäßige Persönlichkeit?

Und genau hier und jetzt kann man sich entscheiden. Entgegen seinen Gefühlen und entgegen seinem Verstand. Das ist wichtig, denn man darf nicht darauf warten, bis der Verstand einem die Zustimmung gibt.

Man trifft eine Entscheidung, und ignoriert seine Feelings und das ganze Drama und wie schlimm alles ist. Eine hohe Anforderung , aber das Einzige, was hilft. Entweder, es wird tatsächlich das Allerschlimmste im Leben – oder ein vollkommen neuer Start. Der schnellste Boost, den man jemals erlebt hast, das größte Sprungbrett in ein völlig neues Selbstbewusstsein, die riesigste Chance für einen Persönlichkeitsschub ohne Gleichen. Also lasse sie nicht vorbeiziehen, sondern ergreife sie mit beiden Händen!

In so einer Situation Vorwärts zu gehen, Entscheidungen zu treffen und sich nicht kleinkriegen zu lassen, fühlt sich nicht gut an. Das Gefühl kann noch eine kurze Weile anhalten, aber es geht weg, versprochen. Der Verstand kann sich das selbstverständlich in dieser Situation nicht vorstellen, er zählt nur die Fakten zusammen, und sagt: keine Lösung – also ignorieren.

Das, was einen aus seiner Komfortzone rausgehauen hat, mag schmerzhaft, unerwartet oder katastrophal sein. Aber man hat es in der Hand, aus dieser Situation einen seiner größten Siege zu machen. Denn indem man das alles großartig meisterst, die Schwierigkeiten überwindet und hinterher strahlender und stärker ist als jemals zuvor.

Beim Persönlichkeitstraining ist es übrigens exakt genau wie beim Muskeltraining: nur, wer schwere Gewichte stemmen kann, ist tatsächlich stark und kommt vielleicht auf’s Podium. Je schlimmer der Umstand gerade, umso mehr Potenzial zum stärksten und schönsten Charakter überhaupt.

Vor allem muss man sich dabei auf sich selbst konzentrieren und sich dabei nicht von Menschen beeinflussen lassen, die einen nur klein machen und aus dem Konzept bringen wollen. Denn man selbst ist enorm kostbar und wichtig und hat einen tollen Impact.

Zieh es durch und lass dich nicht bremsen, weder von dir selbst noch von anderen.